Simbabwe im Wahlkampf: Steigende politische Gewalt

22. Februar 2002, 19:55
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Schüsse auf den Oppositionschef - Prügel für Wahlbeobachter

Harare - Die politisch motivierte Gewalt vor den Wahlen in Simbabwe hat am Freitag einen neuen Höhepunkt erreicht. Oppositionschef Morgan Tsvangirai konnte nach Angaben seiner Partei nur mit Mühe fliehen, als Polizisten bei Ngundu (200 Kilometer östlich der Hauptstadt Harare) auf ihn und seine Autokolonne das Feuer eröffneten. Der 49-Jährige, der unverletzt blieb, sei während einer Wahlkampfrede vor Anhängern am Straßenrand von der Polizei beschossen und danach in seiner Autokolonne mehrere Kilometer weit verfolgt worden. Die Polizei hatte das Auftreten Tsvangirais, der bei den Präsidentenwahlen Anfang März den Machthaber Robert Mugabe herausfordert, als illegal nach der neuen Rechtslage bezeichnet.

Etwa zur gleichen Zeit wurden rund 180 Kilometer nördlich von Harare bei einem Angriff von Regierungsanhängern auf ein Wahlbüro der Opposition auch zwei südafrikanische Wahlbeobachter verprügelt. Tsvangirai hatte dort für Sonntag eine Wahlkampfkundgebung geplant. Während ein Sprecher seiner Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) erklärte, bei dem Überfall in dem Ort Kwekwe seien fünf Parteianhänger und zwei südafrikanische Beobachter verletzt worden, versuchte der südafrikanische Vize-Außenminister Aziz Pahad den Vorfall als bedauerlichen Einzelfall herunter zu spielen: "Einige Jugendliche haben das Büro mit Steinen beworfen und das Auto (der Beobachter) beschädigt. Es gab keine Verletzten."

Die Polizei habe schnell reagiert und zwei Jugendliche festgenommen. Sein Land werde Bedauern ausdrücken. Pahad: "Aber ich will einen Vorfall nicht überbewerten." Vertreter mehrerer Parteien in Südafrika verurteilten dagegen scharf den Übergriff. Präsident Thabo Mbekis Sprecher Bheki Khumalo betonte: "Das ist etwas, dem wir auf den Grund gehen müssen. Wir denken nicht, dass Angriffe gegen irgend jemanden - ob Parteianhänger oder Beobachter - im Interesse Simbabwes liegen." Er sagte den dortigen Behörden volle Unterstützung der Beobachter bei der Aufklärung zu. Der Abgeordnete Colin Egli kritisierte: "Wenn klar gekennzeichnete Wahlbeobachter nicht sicher vor politischer Gewalt und Einschüchterung sind, was sagt das dann über die Sicherheit normaler simbabwesischer Bürger aus?" (APA/dpa)

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