Schweiz: Güterzug aus Italien entgleist

22. Februar 2002, 16:09
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Zwei Tote, mehrere Verletzte - Ursache noch ungeklärt - Strecke Chiasso - Como gesperrt

Chiasso - Beim schwersten Zugunglück in der Schweiz seit zweieinhalb Jahren sind in der Nacht auf Freitag in Chiasso zwei Lokführer getötet und fünf Menschen verletzt worden. Anderen Berichten zufolge gab es sogar sieben Verletzte.

Ein Güterzug war aus unbekannten Gründen in eine Rangierlok geprallt, entgleiste Wagen zerstörten ein Stellwerk. Der Zugsverkehr wurde massiv behindert.

Zug aus Como

Laut Behörden entgleiste kurz vor 23.00 Uhr ein aus Como kommender Güterzug der italienischen Staatsbahnen FS auf einer Weiche bei der Einfahrt in den Rangierbahnhof von Chiasso. Die Lokomotive prallte in der Folge in eine langsam entgegenkommende Rangierlokomotive. Die beiden Maschinen verkeilten sich ineinander und setzten die Fahrt noch einige hundert Meter in Richtung Norden fort. Die fünf Wagen des Güterzugs entgleisten ebenfalls und prallten auf ein ehemaliges Stellwerkgebäude, das als Aufenthaltsraum genutzt wird.

Opfer

Bei den beiden Toten handelt es sich um zwei der vier italienischen Lokomotivführer. Die Verletzten, darunter drei SBB-Angestellte, hielten sich zum Zeitpunkt des Unglücks mindestens teilweise im Stellwerk auf. Sie wurden in Krankenhäuser gebracht. Der entgleiste Güterzug führte den Angaben zufolge kein Gefahrengut mit sich.

Missachtung eines Haltesignals könnte die Ursache gewesen sein

Es entstand hoher Sachschaden. Die eigentlichen Aufräumarbeiten konnten wegen der Spurensicherung zunächst nicht aufgenommen werden.

Die Missachtung eines roten Haltesignals könnte die Ursache des Zugunglücks gewesen sein. Nach Ansicht der italienischen Behörden ist es wahrscheinlich, dass der Lokführer des von Süden kommenden Güterzugs beim Monte-Olimpino-Tunnel ein auf Rot gestelltes Lichtsignal überfuhr.

Güterzug fuhr auf einem falschen Gleis

Außerdem wird geklärt, ob Bremsprobleme das Unglück ausgelöst haben könnten. Der Güterzug fuhr auf einem falschen Gleis und vermutlich zu schnell in den Bahnhof von Chiasso ein. Die Tessiner Staatsanwältin Rosa Item sagte, der Zusammenstoß habe sich eindeutig auf Schweizer Territorium ereignet. Deshalb sei die Schweiz für die Untersuchung zuständig.

Strecke Chiasso - Como gesperrt

Die Folgen des Unglücks für den internationalen Zugsverkehr über die Gotthardroute sind massiv: Die Strecke Chiasso - Como bleibt mindestens bis zum kommenden Montag gesperrt. Die internationalen Züge verkehrten mit wenigen Ausnahmen bis Chiasso. Von dort wurden die Reisenden mit Bussen nach Como transportiert. Transitgüterzüge wurden zurück gehalten oder großräumig umgeleitet, teilweise auch über Österreich und Frankreich.

Güterverkehr blieb vollständig unterbrochen

Der Güterverkehr blieb vollständig unterbrochen. Die SBB ersuchten die Bahnen in Deutschland und Frankreich, die Güterzüge zurückzuhalten. Die Gotthardroute ist für den Bahngüterverkehr von großer Bedeutung. Zwischen Dienstag und Samstag werden dort im Durchschnitt bis 130.000 Tonnen Güter pro Tag befördert.(APA)

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