Verlängerung der Schulpflicht stößt auf breite Ablehnung

25. Februar 2002, 14:02
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VP: SP will "Mercedes gegen Trabi tauschen" - FP: Nicht in Bereichen dilettieren, wo sich Laska (Bild) nicht auskennt

Wien - Auf breite Ablehnung stößt der Vorschlag der Wiener Vizebürgermeisterin Grete Laska (S), die Schulpflicht um bis zu vier Jahre zu verlängern. Die ÖVP ortete einen "kräftigen Griff in die ideologische Mottenkiste", die FPÖ forderte Laska auf, nicht "in Bereichen zu dilettieren, wo sie sich nicht auskennt und keine Kompetenzen hat". Bei der SPÖ-Klausur in Rust hatte die als Landesrätin für die Pflichtschulen zuständige Laska für die Ausweitung der Schulpflicht sowie die Überführung der verschiedenen Schulformen für 15- bis 19-Jährige in ein modulares Ausbildungssystem plädiert, das als Ersatz für allgemeinbildende und berufsbildende höhere Schulen (AHS und BHS) sowie für die Berufsschulen dienen soll.

Mit der Forderung nach einer "Einheitsschule" in der Oberstufe verlasse Laska den erfolgreichen österreichischen Weg des differenzierten Schulwesens, meinte der Bildungssprecher der Wiener VP, Walter Strobl in einer Aussendung: "Kein vernünftiger Mensch wird daher ernsthaft einen Tausch vom Mercedes der differenzierten Schultypen zu einem ideologischen Trabi mit Einheitslook anstreben." Das Schulsystem in Österreich sei ohnehin in alle Richtungen durchlässig.

Reform-Verwässerunga

Ein Umsteigen ohne Zeitverlust wäre allerdings weder in der Berufsschule noch in einer Höheren Schule möglich und sinnvoll, betonte Strobl. Die im Bildungsministerium derzeit diskutierte AHS-Oberstufenreform dürfe keinesfalls verwässert werden. "Die Berufsbildenden Höheren Schulen sind eine einmalige Erfolgsstory. Ich kenne keine HTL oder HAK, die aus ideolgischen Gründen mit der AHS-Oberstufe und der Berufsschule einen Einheitsbrei bilden will", so Strobl.

Für die Freiheitlichen ist der Laska-Vorschlag auf Grund der zu erwartenden Kosten in Milliardenhöhe "hochgradig unseriös", kritisierte FPÖ-Gemeinderat Herbert Rudolph. Die Vizebürgermeisterin solle sich nicht über bundespolitische Fragen den Kopf zerbrechen, "in Wien gäbe es genug für sie zu tun". So existiere in Wien mit der Sir-Karl-Popper-Schule nur eine einzige Einrichtung zur Begabtenförderung. Komplett fehlen würde etwa eine Landessportschule, die gezielt für den Leistungssport ausbilde. Auch die "Flucht" der Jugendlichen aus der Hauptschule in die AHS-Unterstufen halte nach wie vor an. In diesen Fragen sei Laska aber "völlig absent", kritisierte Rudolph.

Dezidiert abgelehnt wird eine Verlängerung der Schulpflicht auch von den Wiener Grünen. "Die Schulbank noch länger drücken allein bringt den Jugendlichen sicher nichts. Wenn nunmehr ausgerechnet jene, die es schon schwer haben, neun Jahre in der Schule zu verbringen, ganze 13 Jahre in der Schule absitzen sollen, ist das sehr unrealistisch und auch weitab von allem, was bislang aus der SPÖ zu hören war", betonte die Bildungssprecherin der Wiener Grünen, Susanne Jerusalem, in einer Aussendung. (APA)

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