Rasiermesser und Drachenzunge

22. Februar 2002, 15:31
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Innsbrucker Stift Wilten eröffnet ein Museum der "Gebrauchgegenstände"

Innsbruck - Das Innsbrucker Stift Wilten will nun seine Schätze für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Die Sammlung des neuen Museums zeigt den Interessierten ein breites Spektrum der "Gebrauchsgegenstände": Von gotischen Altarblättern bis hin zu Schnupftabakdosen, römischen Rasiermessern und der legendären "Drachenzunge", die als Beweis dafür gelten soll, dass der Riese Haymon tatsächlich das Stift gegründet hatte.

Funktion im oder außerhalb des Gottesdienstes

"Alle Stücke des Museums hatten bzw. haben eine bestimmte Funktion" innerhalb oder außerhalb des Gottesdienstes, betonte der Kustos des Stiftsmuseums, Florian Schomers, am Freitag bei einem Pressegespräch in Innsbruck. Mit der Eröffnung des Museums soll die Welt des Klosters geöffnet werden - regelmäßige Öffnungszeiten gebe es daher nicht.

Drachenzunge - Kuriosität aus dem 16. Jahrhundert

Um die Drachenzunge, einer Kuriosität aus dem 16. Jahrhundert (eigentlich ein Fortsatz eines Schwertfisches), ranken sich viele Sagen. Demnach soll die Gründung des Stiftes auf einen sagenhaften Riesen namens Haymo oder Haymon beruhen, der vom Rheinland über den Zirlerberg in das Tiroler Inntal gewandert sein soll. Da er sich in diesem Gebiet niederlassen wollte, soll er der Legende nach mit dem bei Seefeld ansässigen Riesen Tyrsus dermaßen in Streit geraten sein, dass er diesen mit einem Schwert erschlagen habe. Als Wiedergutmachung für diese Bluttat soll Haymon um das Jahr 878 bei der alten Laurentiuskirche ein Kloster gestiftet und dieses selbst gebaut haben. Ein Drache, der die angrenzende "Sillschlucht" beim Berg Isel behauste, habe das Bauwerk immer wieder zerstört, bis der Riese auch ihn tötete und ihm die Zunge herausriss. Diese "Drachenzunge" wurde bis zur Aufhebung des Stiftes im Jahr 1939 in den eigenen Sammlungen gezeigt.

Silldrache im Fluss

Wie Schomers erklärte, dürfte die Haymon-Sage einen historischen Kern bergen. Demnach könnte der Silldrache den Fluss selbst verkörpern, der oft Hochwasser führte und dadurch eine Bedrohung für die angesiedelte Bevölkerung darstellte. Erst durch die Regulierung seines Laufes habe er einigermaßen "gezähmt" werden können. (APA)

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