Werner Böhm: Bizarres Comeback

22. Februar 2002, 18:35
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YLine-Pleitier will mit neuer Firma Unternehmen vor der Pleite retten

Wien - Der ehemalige Chef des Pleite gegangenen Wiener Softwarehauses YLine, Werner Böhm, ist zurück. Er und sein ehemaliger Pressesprecher Willi Berner sind Anfang des Jahres als Geschäftsführer der neu gegründeten Firma Proforce (Financial Project Enforcement and Consulting GmbH) aufgetaucht. Das neue Unternehmen bleibt aber in der Branche. Wie Berner am Freitag erklärte, beschäftigt sich das Unternehmen mit Firmen, die vor dem Zusammenbruch stehen. "Das YLine-Knowhow" kommt uns dabei zugute", so Berner.

"Tausende YLines"

Konkret versucht Proforce, Firmen, die gute Ideen hätten aber wirtschaftlich daniederlägen, mit anderen Unternehmen zusammenzubringen und zu einem erfolgreichen Unternehmen zu verschmelzen. Im Zuge der Marktbereinigung tue sich hier einiges und die Tendenz des Marktes sei steigend. "In Deutschland gibt es hunderte, wenn nicht tausende YLines", meint Berner.

Proforce beschäftigt derzeit vier Mitarbeiter und hat seit vergangener Woche auch ein Büro in London. "Es lässt sich gut an", sagt der frisch gebackene Firmenchef. Anfangs habe man gedacht, dass die Leute wegen YLine Berührungsängste hätten. Das Gegenteil sei aber der Fall gewesen. Mittlerweile habe Proforce bereits drei Projekte abgeschlossen, sechs weitere seien derzeit in der Pipeline.

Werner Böhm hat laut Berner bereits seit längerem an die Gründung einer Firma wie Proforce gedacht. "Selbst wenn YLine funktioniert hätte, wäre Böhm Ende des Jahres als Vorstandschef ausgestiegen, um genau das zu machen, was er jetzt tut", sagt sein neuer Co-Geschäftsführer.

Suche nach dem Schuldigen

Die Ursachen für den Niedergang YLines sieht Böhm vor allem im Zahlungsaufall des Schuldners City M&A, einer Firma des Börsebullen Michael "Mike" Lielacher. Das Unternehmen habe eine Rechnung über 6,2 Mill. Euro (85,3 Mill. S) nicht zahlen können. Dadurch wäre für YLine eine Kapitalerhöhung über 3 Mill. Euro notwendig geworden. 1,5 Mill. Euro hätten die Altaktionäre bereits zugesagt. Der Rest hätte von US-Fonds kommen sollen, die jedoch nach den Ereignissen vom 11. September abgesagt hätten. Darüber hinaus habe dann auch vor allem IBM der Kapitalerhöhung nicht mehr zugestimmt.

"Wären der Zahlungsausfall und IBM nicht gewesen, hätte YLine aber saniert werden können", meint der ehemalige Pressesprecher des Unternehmens. (APA)

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