Kein Grund zur Euphorie

22. Februar 2002, 14:21
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Bank Austria nach ATX-Kursfeuerwerk vorsichtig - Kaufempfehlungen für TA, VA Technologie und Voestalpine

Wien - Die ausgezeichnete Kursentwicklung des Wiener Leitindex ATX seit Jahresbeginn hat die Aktienanalysten der Bank Austria Creditanstalt (BA) vorsichtig werden lassen. "Das Kursfeuerwerk wird im weiteren Jahresverlauf nicht anhalten", warnte der Leiter der BA-Aktienanalyse, Lukas Stipkovich, am Freitag vor zu viel Euphorie. Durch die gegenläufige Tendenz an den Leitbörsen habe sich der Bewertungsabschlag österreichischer Titel reduziert, was eine weitere Outperformance im Jahresverlauf unwahrscheinlich erscheinen lasse.

Denn Wien ist zwar anders, aber nur im ersten Quartal. Laut einer BA-Statistik koppelt sich der Wiener Leitindex ATX im den ersten drei Monaten regelmäßig von der Performance des Euro-Stoxx 50 ab, um für den Rest des Jahres eng mit dessen Entwicklung zu korrelieren. Zudem nährt eine historische Betrachtung der ATX-Performance die Skepsis der BA-Experten, denn die mit Abstand beste Kursentwicklung zeigen die ATX-Titel regelmäßig im ersten Quartal.

Überrascht zeigte sich Stipkovich von der Breite des Anstiegs im ATX. Denn internationale Investoren würden Wien üblicherweise nicht als Markt kaufen, sondern sich auf Stockpicking fokussieren. Allerdings habe der Ausbruch der "Börsenkrankheit Enronitis" - der Angst vor unsauberen Bilanzierungspraktiken - einen Trend der Investoren zu Value-Aktien ausgelöst. Das sei positiv für Wien, denn das Accounting in Österreich werde als konservativ eingeschätzt.

1.270 Punkte zum Jahresende

Es sei anzunehmen, dass die Investoren künftig wieder selektiver vorgehen werden, meinte Stipkovich, der nach wie vor an seinem Kursziel von 1.270 ATX-Punkten bis Jahresende festhält. Dieses Niveau ist aber mittlerweile bereits fast erreicht, weshalb der Analyst nun nur noch einen beschränkten Spielraum nach oben für den Gesamtmarkt sieht. Manchen Einzeltiteln trauen die BA-Experten jedoch auch weiterhin einiges Kurspotenzial zu.

Top-Empfehlungen

Unter den Empfehlungen der BA befindet sich unverändert die Telekom Austria (TA) mit Kursziel 12,10 Euro, in das die Übernahmespekulationen bei der Ermittlung nicht eingeflossen seien. Die Fantasie liege einerseits in der Restrukturierung des Unternehmens, andererseits biete die TA im Mobilfunkbereich eine Wachstumsstory durch die Expansion nach Slowenien und Kroatien. Einen mögliches Delisting der TA bezeichnete Stipkovich zwar als Verlust für die Wiener Börse, würde den TA-Aktionären jedoch Gewinne bescheren.

VA Technologie legt die BA den Investoren mit Kursziel 42 Euro ans Herz, da die Analysten davon ausgehen, dass die Restrukturierung gelingen werde. Das Energie- und Wassergeschäft sei der Umsatztreiber im Konzern, während die Metallurgie zusehends an Bedeutung verliere. Zudem sei der summierte Wert der einzelnen Konzernteile signifikant höher als die Bewertung an der Börse. Bei Voestalpine gefällt den Experten die Neupositionierung des Konzerns und die güstige Bewertung, als Kursziel wurden 40 Euro genannt. Das Unternehmen sei auch zur Zeit nicht gefährdet, einen Quartalsverlust auszuweisen wie viele europäische Konkurrenten. Die Ankündigung der ÖIAG, bei einer möglichen Kapitalerhöhung mitziehen zu wollen, wird von den BA-Analysten nicht als negativ empfunden. Der Staatsanteil sei für Investoren zusehends weniger ein Thema. (APA)

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