Vorstand von mehreren Seiten unter Druck

22. Februar 2002, 13:56
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Gewerkschaft: "Bedenkliche Vorgangsweise" bei Schließung von Postämtern und falsche Investitionspolitik bei Zustellung

Wien - Kritik hagelt es für den Vorstand der Österreichischen Post AG derzeit nicht nur bei der geplanten Spartenorganisation. Auf heftige Einsprüche von Seiten von Gemeinden und der Gewerkschaft stößt die Post auch der geplanten Schließung von 648 Postämtern bis Mitte dieses Jahres. Postgewerkschaft-Chef Gerhard Fritz sprach am Freitag wörtlich von einer "bedenklichen Vorgangsweise". Widerstand kommt auch aus den Gemeinden. Das Verkehrsministerium hatte noch unter Monika Forstinger (F) Nachverhandlungen wegen der Schließungen für nötig erachtet.

Gemeindebundpräsident Helmut Mödlhammer bezeichnet die Pläne zur Postämterschließung zuletzt als "Wunschvorstellung der Post" und verlangt mehr Informationen. Eine "Fülle von Bürgermeistern" sollen Einspruch gegen die Schließung ihres Postamtes eingebracht haben.

Der Betriebsrat ist der Ansicht, dass 80 der Postämter auf der "schwarzen Liste" wirtschaftlich geführt werden könnten und daher nicht geschlossen werden sollten. Auf der anderen Seite zeigte sich der Betriebsrat überrascht, dass sowohl in Kärnten, als auch in Tirol, in Vorarlberg und im Burgenland Ausnahmegenehmigungen erteilt worden sein sollen, nach denen ursprünglich für die Schließung vorgesehene tatsächlich unrentable Postämter nun doch nicht zugesperrt werden sollen. In Managementkreisen heißt es bereits, dass das geplante Pensum "nicht in vollem Ausmaß umgesetzt" werden soll.

Zustellung unter Beschuss

Proteste mehren sich aber auch gegen mangelnde Qualität bei der Zustellung. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) kritisiert die Postzustellung: Die als schnelle Versandform beworbenen Premium-Briefe seien in sieben von 20 Fällen früher an als Standardsendungen angekommen, so die Konsumentenschützer. Ex-Verkehrsministerin Forstinger und jüngst auch die großen Zeitungen beklagten eine generelle Verschlechterungen bei der Zustellungsdauer.

Der Betriebsrat indes führt die Probleme bei der Zustellung auf eine schlechte Investitionspolitik zurück. Zur Verbesserung fehlten derzeit die Grundvoraussetzungen wie Logistikzentren und Veränderungen in der Ablauforganisation. Er sei daher sehr "verwundert", dass im Budget 2002 keine Investitionen für den Ausbau der Verteilerzentren Innsbruck und Kärnten sowie für ein neues Paketverteilnetz enthalten seien, so Fritz. (APA)

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