"Eigenständige Medizin-Unis bringen Vorteile"

22. Februar 2002, 15:11
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Wiener KAV-Chef und AKH-Direktor für Ausgliederung

Wien - Von der geplanten und heftig umstrittenen Umwandlung der medizinischen Fakultäten in Wien, Graz und Innsbruck in eigenständige Universitäten wären auch die jeweiligen Krankenanstaltenträger betroffen. Der Generaldirektor des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV), Eugen Hauke, erwartet sich von einer eigenständigen Wiener Medizin-Uni "deutliche Vorteile", wie er im Gespräch mit der APA erklärte. In die Gesetzeswerdung sei er bisher nicht eingebunden gewesen, diese Woche habe es aber eine mündliche Information des Bildungsministeriums gegeben, "dass es so kommen wird". Auch der Ärztliche Direktor des AKH, Reinhard Krepler, befürwortet die Ausgliederung.

Als Vorteil sieht Hauke, dass verschiedene Abläufe, die bisher durch Fakultätsgremien bis zum Ministerium gingen, durch eigenständige Medizin-Unis abgekürzt werden könnten, und es etwa im personellen Bereich zu rascheren und direkteren Kontakten komme. Man müsse sich aber den Gesetzesentwurf genau anschauen, ob sich durch die Ausgliederung nicht auch Verkomplizierungen ergäben.

Einen Nachteil sieht Hauke in der Tatsache, dass bisher - mit der Medizinischen Fakultät als Teil der Gesamtuni - ein größeres Finanzvolumen vorhanden gewesen sei. Dies habe mehr Flexibilität bedeutet, da aus einem größeren Pool ein etwaiger Mehrbedarf leichter abgedeckt werden konnte. Bei kleineren Einheiten sei das nicht so einfach.

Der per 1.1 2002 aus der Magistratsverwaltung ausgegliederte KAV ist eine "Unternehmung" der Stadt Wien mit eigener Rechtspersönlichkeit, das AKH seinerseits wiederum eine 100-prozentige Tochter des KAV.

Nach Ansicht Kreplers wäre die Führung einer so großen Fakultät wie der medizinischen erleichtert, wenn sie als eigene Uni konstituiert ist. Der Dekan bzw. künftige Rektor hätte die Dienstaufsicht über die Bundesmitarbeiter und damit wichtigen Gestaltungsspielraum. Und er hätte auch Entscheidungsgewalt über das der Medizin-Uni zukommende Finanzvolumen. "Beides ist heute erforderlich, weil die medizinischen Fakultäten weltweit in einem wissenschaftlichen Wettbewerb stehen, der dem freien Wettbewerb in der Wirtschaft um nichts nachsteht", so Krepler gegenüber der APA.

Von einer Isolierung der Mediziner als Disziplin hält Krepler allerdings nichts. Die Ausgliederung wäre ein "rein organisatorisches Instrument". Bei einer eigenständigen Medizin-Uni wären vermehrt Anstrengungen für die Kooperation mit anderen Fakultäten und Instituten in der Lehre und Forschung notwendig, meint Krepler. Er ist auch überzeugt, dass die Voraussetzung des Ministeriums, dass die Ausgliederung kostenneutral sein müsse, realistisch sei. So sei nicht geplant, Verwaltungseinheiten zu duplizieren. Vielmehr sollen bisher erbrachte Leistungen der Hauptuniversität künftig über Kontrakte als Dienstleistungen für die Medizin-Uni angeboten werden.

Deutlich gegen eine Ausgliederung der medizinischen Fakultäten sprechen sich Studentenvertreter aus. Befürchtet werden schlechtere Ausbildungsbedingungen für angehende Mediziner, die Gefährdung interdisziplinärer Forschung sowie langfristig Probleme bei der Patientenbetreuung. Bei der Diskussion über eigenständige medizinische Universitäten fühlen sich die Vertreter der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) außerdem übergangen. Entscheidungen würden hinter verschlossenen Türen und ohne Einbindung der Studenten getroffen.

Im Zuge von Gesprächen zur Uni-Reform hatten sich Beamte des Bildungsministeriums und die Dekane der drei medizinischen Fakultäten auf eigenständige Medizin-Unis geeinigt, die allerdings unter einem gemeinsamen Dach mit der jeweiligen Hauptuni stehen sollen. Die Rektoren der Universitäten Wien, Graz und Innsbruck haben sich dezidiert gegen einen solchen Schritt ausgesprochen. (APA)

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