RHI: US-Forderungen verkauft

22. Februar 2002, 12:47
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Draxler: Heraklith und Engineering sollen verkauft werden

Wien - Der Feuerfest- und Baustoffkonzern RHI hat für seine mit 31.12.2001 dekonsolidierten US-Beteiligungen 80 Mill. Dollar (91,5 Mill. Euro/1,259 Mrd. S) überwiesen bekommen. Es handelt sich um zwei Beträge von je 40 Mill. Dollar, die von den US-Konzernen Honeywell und Halliburton für die Abtretung von Forderungen der RHI an ihre US-Beteiligungen Narco und Harbison Walker gezahlt wurden. Ob die ersten 40 Mill. Dollar, die von Honeywell für Narco am 4.1.2002 an RHI geflossen sind, in das Geschäftsjahr 2001 gebucht werden, ist vom Wirtschaftsprüfer zu entscheiden, sagte RHI-Chef Helmut Draxler.

Trust

Um die mehr als 400.000 Asbestklagen gegen die drei früheren RHI-Firmen in den USA (Narco, Harbison Walker und A.P. Green), die mittlerweile alle drei unter Gläubigerschutz nach Chapter 11 gestellt sind, zu bewältigen, wurde ein Trust gebildet, aus dem, nach gerichtlicher Abwicklung, die Ansprüche bedient werden. RHI hat sich mit der Dekonsolidierung seiner US-Beteiligungen von drohenden Zahlungsverpflichtungen befreit.

Zur Finanzierung des Trusts und des Working capital der Chapter-11-Gesellschaften dient eine so genannte DIP-Finanzierung (Debtor in Possession), über die der Trust statt von RHI von den früheren Eigentümern der "Asbestfirmen", Honeywell und Halliburton bzw. deren Tochter Dresser Industries, gespeist wird. Ohne die nötige Liquidität im Trust würde den Firmen der Anschlusskonkurs (Chapter 7) drohen, was nicht im Sinne der Beteiligten wäre. Bei erfolgreicher Abwicklung des Chapter-11-Verfahrens wären alle betroffenen Firmen von den Asbestklagen befreit, und die Geschädigten könnten samt sonstiger offener Forderungen über den Trust abgefertigt werden, was laut Draxler in etwa zwei bis drei Jahren der Fall sein könnte.

"Asbestfreie" Konkurrenz

Im Bestfall könnte die nach der US-Dekonsolidierung mit Milliarden belastete RHI aus der Sache nach diesem Zeitraum mit Rückzahlungen aus den USA von insgesamt 260 Mill. Dollar aussteigen. Nicht weniger als 40 bis 80 Prozent der Entschädigungssummen an die Asbestopfer dürften jedoch die Anwälte kassieren. Mit der Abgabe der US-Beteiligungen verliert RHI rund 400 Mill. Euro Geschäftsvolumen und fällt beim US-Marktanteil von 25 auf 7,5 Prozent. Wenn die ehemaligen RHI-Beteiligungen "asbestfrei" aus dem Chapter-11-Verfahren herauskommen, "werden sie in Nordamerika unsere Konkurrenten sein", räumte Draxler ein. RHI wird den Nordamerika-Markt auch jetzt nicht aufgeben, sondern vor allem von seiner kanadischen Niederlassung aus weiter betreiben und will ab 2003 wieder ein Marktvolumen von 100 bis 150 Mill. Dollar zurückerobert haben.

Heraklith und Engineering werden verkauft

Die weitere Konzernstrategie der RHI befindet sich im Analysestadium. Als fix bezeichnete Draxler, dass sich RHI von den Bereichen Dämmen (Heraklith, rund 9 Prozent des Konzernumsatzes 2000 ) und Engineering (8 Prozent) trennen wird. Beide Bereiche würden nur unterdurchschnittliche Ergebnisbeiträge liefern. Für Heraklith, für das die Verkaufsbemühungen im Vorjahr auf Eis gelegt wurden und das kein Kerngeschäft sei, werde nach einer Werterhöhung entweder ein Partner oder ein Käufer gesucht, wenn die Situation am Baumarkt sich verbessert habe.

Nach der geglückten ersten Sanierungsphase, die bei der a.o. Hauptversammlung am vergangenen Freitag mit 98,3 Prozent bewilligt wurde, folge jetzt die Phase einer Portfolio-Überprüfung. Alle Bereiche würden nach Gewinnen und Margen überprüft, sagte Draxler.(APA)

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