Billa mobilisiert gegen Spar

22. Februar 2002, 19:13
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Widerstand gegen Kauf der Maximärkte - Groteske um Grasser

Wien - Der Kampf der beiden Handelsriesen Billa und Spar nimmt an Härte zu. Die Nummer eins im heimischen Lebensmittelhandel, der Rewe-Konzern (Billa, Merkur), macht nun gegen die Übernahme von sechs Maximärkten durch den Hauptkonkurrenten Spar mobil.

Groteske um Finanzminister

Sogar Finanzminister Karl-Heinz Grasser kam zwischen die Fronten der beiden Handelsriesen: Er regte eine kartellrechtliche Überprüfung des Deals an und wurde am Freitag in den Salzburger Nachrichten bereits als neuer Billa-Chef gehandelt.

Durch den möglichen Erwerb der Märkte erhöhe sich der Marktanteil von Spar in Oberösterreich auf wettbewerbsrechtlich relevante mehr als 50 Prozent, argumentiert Billa. In Orten wie Ried, Vöcklabruck oder Wels würde der neue Marktanteil von Spar sogar bis zu 76 Prozent erreichen. Durch diese Übernahme ergebe sich daher eine "regionale Marktanteilskonzentration", wie sie beispielsweise bei der geplanten Übernahme von Julius Meinl durch Billa untersagt wurde, argumentiert Billa. "Wir erwarten uns, dass in diesem Land mit gleichem Maß gemessen wird und vertrauen auf die Entscheidung des Rechtsstaates und der Kartellbehörde", sagte Billa-Konzernchef Veit Schalle.

Etappensieg

Einen Etappensieg konnte Billa bereits erringen: Minuten vor Ablauf der vierwöchigen Einspruchsfrist gegen die Übernahme meldete die Finanzprokuratur am 14. Februar eine genauere Prüfung des Deals an. Dabei wird es vor allem um die Abgrenzung des "relevanten Marktes" und um die Frage gehen, ob selbstständige Spar-Kaufleute in die Berechnung der Marktanteile einbezogen werden oder nicht. Bei Spar sehe man der Entscheidung der Kartellbehörden relativ gelassen entgegen, sagte Spar-Sprecherin Nicole Berkmann. Der für die Kartellentscheidung relevante Marktanteil von Spar in Österreich steige von 16,4 auf 17,4 Prozent. Fünf der sechs betroffenen Märkte befinden sich in Oberösterreich, einer in Salzburg. Der Marktanteil von Spar in Oberösterreich werde durch die Übernahme der Maximärkte von bisher 17,2 auf 22 Prozent und in Salzburg von 17,1 auf 20,7 Prozent steigen, so Spar.

Der Marktanteil der Maximärkte, die bisher Raiffeisen gehörten, beträgt rund ein Prozent. (zwi, APA, DER STANDARD, Printausgabe 23.2.2002)

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