Arzneimittel gegen Salmonellen werden immer unwirksamer

22. Februar 2002, 19:08
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Resistenz wird bei der Zelteilung weitervererbt

Stuttgart - Gegen Salmonellenerkrankungen wird es möglicherweise schon bald keine wirksamen Arzneimittel mehr geben. Schuld daran ist der zu laxe Einsatz von Antibiotika in der Tiermast, wie der Leiter des Nationalen Referenzlabors für Salmonellen, Reiner Helmuth, in der "Deutschen Medizinischen Wochenschrift" betont.

Weitervererbung

Vor allem der Salmonellenerreger vom Typ DT104, der bereits gegen fünf Antibiotika resistent sei, breite sich immer mehr aus. Gefährlich sei auch, dass DT104 seine Resistenz bei der Zellteilung weiter vererbe.

Zu starker Antibiotika- Einsatz

"Sein Anteil an allen gefundenen Salmonellen ist seit 1992 von weniger als fünf Prozent auf 72 Prozent bei Schweinen und 60 Prozent bei Rindern gestiegen", sagt der Wissenschafter. Die Hauptursache für die Verbreitung dieses Salmonellentyps sei der sehr großzügige Umgang von Landwirten mit Antibiotika. Erkranke ein Tier an dem Erreger, werde oft gleich die ganze Herde mit der Arznei behandelt. Verzehre der Mensch verunreinigtes Fleisch, könne er sich mit dem Erreger infizieren. Bei einer Antibiotika-Resistenz könne dann nur eine eingeschränkte Therapie durchgeführt werden.

Antibiotika-Gefahr bei Schwein, Huhn und Pute

Salmonellen seien auch zunehmend gegen so genannte Reserveantibiotika, die so genannten Fluorchinolone, wirkungslos. Schuld seien auch hier Landwirte, Tierärzte und die Zulassungsbehörden, die den Einsatz dieser Arznei bei Schwein, Huhn und Pute erlaubten.

Das Risiko einer unter Umständen auch lebensgefährlichen Salmonelleninfektion kann mit entsprechender Küchenhygiene verringert werden. Empfohlen wird, sich regelmäßig die Hände zu waschen, Arbeitsbretter heiß zu spülen und keine Materialien aus Holz verwenden. Gefrorenes Fleisch sollte in einer Schale separat aufgetaut werden. Das Tauwasser sollte weggegossen und der Ausguss mit heißem Wasser nachgespült werden. (APA/AP)

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