Französischer Doppelsieg im Slalom

23. Februar 2002, 23:22
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Jean-Pierre Vidal gewinnt vor Sebastien Amiez Gold - Bronze holt sich der Schotte Alain Baxter - Benni Raich und Kilian Albrecht schrammen nur knapp an einer Medaille vorbei

Deer Valley - Es hätte der krönende Abschluss der Alpinen bei den Olympischen Spielen werden sollen. Doch der Herren-Slalom in Deer Valley wurde wie jener der Damen ein Opfer des warmen Wetters und der schlechten Piste. Nur am Sieger gab es nichts zu rütteln. Der Franzose Jean-Pierre Vidal, heuer wohl die Nummer eins im Slalom, holte sich Olympia-Gold. Silber ging überraschend durch Sebastien Amiez ebenfalls an Frankreich, Bronze holte sensationell der Brite Alain Baxter, der damit für die erste alpine Medaille Großbritanniens sorgte. Die großen Pechvögel waren die Österreicher. Benjamin Raich wurde wie im Riesentorlauf Vierter, ganze neun Hundertstel hinter Baxter. Albrecht belegte Platz fünf, 0,13 Sekunden fehlten ihm zur Medaille.

Favoritensterben

Plus-Grade, schlechte Piste, Wind - die äußeren Bedingungen passten sich nicht dem Anlass an und so gab es ein Favoritensterben, wie man es selten zuvor gesehen hatte. Nur einer blieb davon fast unbeeindruckt: Vidal. Einen Tag vor seinem 25. Geburtstag schlug der Franzose, der sich vor zwei Jahren noch mit kaputten Knien nur im Rollstuhl fortbewegen konnte, zu. Mit Bestzeit in Lauf eins legte er die Basis, im zweiten durfte er sich durch den Quasi-Ausfall von Bode Miller ("Es gibt keinen Mittelweg, ich wollte nur Gold"), der nach drei Fehlern fast zwölf Sekunden verlor, und durch das Ausscheiden von Ivica Kostelic und Co. einige Schnitzer leisten.

Erste schottische Alpinmedaille durch Baxter

Dahinter aber spielte an diesem Tag auch der Zufall Regie, das beste Ende hatten Amiez und Baxter, die die Gunst der Stunde nutzten und sich Silber und Bronze sicherten. Für den Schotten Baxter wurde ein Traum wahr, wohl aber nicht deshalb, weil sein Edelmetall die erste britische Alpinmedaille bedeutete.

"Schon wieder Vierter"

Auf der Strecke blieben die Österreicher. Acht Hundertstel trennten Raich im Riesentorlauf von Bronze, diesmal waren es neun - und zugleich der siebente vierte Platz der Alpinen bei diesen Spielen. "Schon wieder Vierter, schon wieder so knapp. Was soll man dazu sagen. Die Enttäuschung ist sicher groß, denn heute wäre die Chance da gewesen. Was soll ich sagen, es ist einfach Scheiße", sagte ein ernüchterter Raich. "Der erste Lauf war ganz o.k., im zweiten hätte ich vielleicht aggressiver in den Schlusshang fahren können, dazu bin ich immer auf den Skienden gesessen. So gewinnst halt nix, aber das ist der Sport." Auch auf die Piste wollte er nichts schieben. "Auf die Verhältnisse muss man sich einstellen. Aber schön war es sicher nicht", betonte der Tiroler.

Albrecht vom Mut verlassen

Albrecht war ebenfalls nicht gerade glücklich. "Bei Olympia zählen eben nur die Medaillen, auch wenn es nur Hundertstel sind, es nützt nichts. Aber es ist nur ein Rennen, wir werden auch morgen noch die gleiche Luft atmen", sagte der Vorarlberger, der auch wusste, wo er seine Medaille vergeben hatte. "Im ersten Lauf hat mich im letzten Steilstück der Mut verlassen, es war zu gerade. Dort liegt die Zeit." In einem waren sich Raich und Albrecht aber einig: "Vidal ist sicher ein würdiger Olympiasieger." (APA)

Herren - Slalom:

GOLD: Jean-Pierre Vidal (FRA)

SILBER: Sebastien Amiez (FRA)

BRONZE: Alain Baxter (GBR)

RESULTAT

Herren-Slalom

1. Durchgang

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