Gewerkschafter Fritz: Streiks nicht ausgeschlossen

22. Februar 2002, 11:15
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"Keine leere Drohung" - Neue Kritik an Budgetplänen 2002

Wien - Im Streit um die neue Spartenorganisation der Österreichischen Post AG hat der oberste Postgewerkschafter Gerhard Fritz in der Nacht auf Freitag erstmals offiziell Streiks nicht mehr ausgeschlossen. Es gebe aber darüber hinaus noch eine Reihe von Maßnahmen, wie Dienst nach Vorschrift und Betriebsversammlungen sowie den bereits eingeleiteten Einspruch gegen die Wirtschaftsführung des Unternehmens nach dem Arbeitsverfassungsgesetz. Die weiteren Schritte würden am Freitag gemeinsam mit den Kollegen des Zentralausschusses und den Vertrauensleuten geklärt, sagte Fritz in der "ZiB 3" des ORF.

Eine "leere Drohung" sei das Erwägen eines Streiks aber "sicher nicht". Dazu sei die Lage "viel zu Ernst". Einen genauen Zeitpunkt für mögliche Streiks wollte der Gewerkschafter vorerst jedoch nicht nennen.

Arbeitsplätze

Die Gewerkschaft wirft dem Vorstand vor, mit dem neuen Spartenkonzept langfristig 11.000 Arbeitsplätze zu gefährden und auf Grund des Wegfalls von Synergien Mehrkosten in Höhe von 250 Mill. Euro (fast 3,5 Mrd. S) zu verursachen, und spricht von der Zerschlagung der Post.

Der Vorstand dementiert die Zahlen und meint, dass durch die Neuorganisation eine Ergebnisverbesserung erzielt werden soll. Fritz hielt dem entgegen, dass der Vorstand die Wirtschaftlichkeit des Projekts bisher nicht bewiesen habe. Ein Business-Plan soll erst im Mai, ein erstes Umsetzungskonzept Ende März vorliegen.

Kritik übte der Personalvertreter auch an der Investitionspolitik des Vorstands. Zur Verbesserung der zuletzt heftig kritisierten Zustellung fehlten derzeit die Grundvoraussetzungen wie Logistikzentren und Veränderungen in der Ablauforganisation. Er sei daher sehr "verwundert", dass im Budget 2002 keine Investitionen für den Ausbau der Verteilerzentren Innsbruck und Kärnten sowie für ein neues Paketverteilnetz enthalten seien, so Fritz.

Eine Beschleunigung der Investitionen sei dringend notwendig. Seit der Liberalisierung im Paketmarkt sei das Volumen der von der Post beförderten Pakete auf Grund der veralteten Infrastruktur von 50 Millionen auf 38 Millionen zurückgegangen. Wenn bei der bevorstehenden Liberalisierung des Briefmarktes dasselbe passieren sollte, seien Tausende Arbeitsplätze gefährdet, befürchtet der Gewerkschafter. (APA)

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