Rückenmarks- verletzungen mit Stammzellen reparieren

22. Februar 2002, 09:14
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Gute Heilungschancen beim Einsatz von mesenchymalen Stammzellen

Wien - So genannte mesenchymale Stammzellen sind offenbar in der Lage, Rückenmarksverletzungen zum Teil zu heilen. Von vielversprechenden Versuchen an Ratten am Karolinska Institut in Stockholm/Schweden berichtete der österreichische Nachwuchswissenschafter Christoph Hofstetter.

Pluripotente Stammzellen

Mesenchymale Stammzellen, wie sie etwa dem Knochenmark entnommen werden können, sind pluripotent. Das heißt, sie können sich zu verschiedenen mesodermalen Zellarten - wie Knochen-, Knorpel-, Fett- oder Muskelzellen - und Geweben entwickeln. Ein ganzer Organismus - wie im Falle einer so genannten omnipotenten Zelle - kann daraus nicht mehr werden.

Die Wissenschafter ließen die gewonnenen Stammzellen in Kulturen zu länglich ausgerichteten Zellverbänden heranwachsen und implantierten diese Gewebe dann auf das Schadensgebiet von Ratten mit durchtrenntem Rückenmark. Die Nager waren vor der Operation völlig querschnittgelähmt, nach der Behandlung stellte sich die Funktion der Hinterbeine zum Teil wieder ein.

Ersatznervengewebe

Genauere Untersuchungen von Hofstetter konnten zeigen, dass aus den mesenchymalen Stammzellen keine leitenden Nervenzellen geworden waren. Vielmehr zeigte sich, dass das künstlich gezüchtete und implantierte Gewebe die verletzte Stelle am Rückenmarkt überbrückte und die Heilung organisierte. "Die mesenchymalen Stammzellen haben die Fähigkeit, das Narbengewebe zu strukturieren und durch die Produktion von Cytokinen und und die spezielle Natur ihrer Oberfläche regenerierende Zellen und auswachsende Nervenfasern zu organisieren", sagte der Wissenschafter. Somit entstehe eine Art primitives Ersatznervengewebe.

Vorteil der körpereigenen Zellen

Auch wenn die Ansätze vielversprechend seien, warnte Hofstetter vor überzogenen Hoffnungen. Um aus den Stammzellen effektiv Nervenzellen werden zu lassen, bedürfe es neuer Differenzierungsmethoden. Ein Hauptvorteil beim Einsatz von mesenchymalen Stammzellen ist der, dass Ersatzgewebe - welcher Art auch immer - aus körpereigenen Zellen des jeweiligen Patienten kreiert werden kann. Somit sind immunologische Abstoßungsreaktion nicht zu befürchten. (APA)

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