Kaprun: Bahn hätte am Unglückstag gar nicht fahren dürfen

22. Februar 2002, 20:23
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Genehmigung der Baubehörde fehlte - Unternehmenssprecher weist Vorwürfe von sich

Salzburg - Der Salzburger Anwalt Jürgen Hinterwirth, der 112 Angehörige von Opfern vertritt, erklärte weshalb die Bahn am Unglückstag gar nicht hätte fahren dürfen. Im Alpincenter sei logischerweise die Bergstation der Bahn integriert gewesen. "Jeder aussteigende Gast musste durch das Center gehen. Und die Bewilligung für die Benützung des Centers fehlte", so Hinterwirth.

Genehmigung der Baubehörde fehlte

Er sei mit dieser rechtlichen Schlussfolgerung sicher nicht allein. Dass eine eisenbahnrechtliche Bewilligung für den Betrieb der Bahn vorhanden war, würde ohnedies niemand bestreiten. Dennoch hätte die Bahn nicht fahren dürfen, weil die baubehördliche Genehmigung für die Bergstation noch gefehlt habe.

Gültige Betriebsbewilligung

Unternehmenssprecher Harald Schiffl wies diese Rechtsauffassung zurück. Die Gletscherbahn Kaprun habe am Tag des Unglücks, wie auch die Jahre davor, selbstverständlich eine gültige Betriebsbewilligung gehabt. Der Betrieb sei deshalb rechtlich gedeckt gewesen. Die Bauvollendungsanzeige habe sich nicht auf den Betrieb der Bahn bezogen, sondern nur auf das Alpincenter am Kitzsteinhorn. "Der Formalakt der Anzeige der Bauvollendung des Alpincenters hat mit dem Unfallgeschehen nichts zu tun", unterstrich Schiffl.

Mehrere Mängel geheim gehalten

Die Kronen Zeitung berichtet unter Berufung auf die Staatsanwälting von weiteren Mängeln: So seien keine automatischen Brandmelder montiert gewesen, der Brandschutztür in der Bergstation soll eine Steuerung zur Brandschutzfunktion gefehlt haben.

Kaprun-Verteidiger rügt Staatsanwalt: "Wertende Äußerungen"

Zu den Aussagen der Staatsanwaltschaft Salzburg, dass "bei Einhaltung der Bescheidauflagen (...) das Unglück also verhindert werden hätte können", stellte der Anwalt der Gletscherbahnen Kaprun AG, Georg Karasek fest,"dass die Übermittlung der Bauvollendungsanzeige an die Behörde keinen Zusammenhang mit der Unfallursache, nämlich dem Brand der Standseilbahn im Tunnel, hat." Karasek gibt seiner Verwunderung darüber Ausdruck, "dass die Staatsanwaltschaft immer wieder in den Medien wertende Äußerungen tätigt und so zu einer Vorverurteilung beitragen kann".

Die Bauvollendungsanzeige beziehe sich einzig auf das Alpincenter am Kitzsteinhorn. Das Alpincenter, dessen kleinster Teil die Bergstation der Standseilbahn auf das Kitzsteinhorn ist, beherbergt Restaurants, Shops sowie Servicestellen.

Zu der vom leitenden Staatsanwalt Friedrich Ginthör Aussage "Wenn der Bahnhof nicht gesichert ist, darf kein Zug einfahren", stellt Karasek fest, dass "sich auch Staatsanwälte an die Gesetze zu halten haben. Nach § 23 Mediengesetz ist eine Einflussnahme auf ein Strafverfahren verboten und strafbar. Abgesehen davon war der Bahnsteig sowie der Weg ins Freie sehr wohl gesichert und damit der Betrieb der Standseilbahn zulässig."

Prozesstermin noch offen

Der Beginn des Prozesses über die Seilbahnkatastrophe von Kaprun sei noch völlig offen. Das stellten am Freitag der Präsident des Salzburger Landesgerichtes, Walter Grafinger, und der Leiter der Staatsanwaltschaft Salzburg, Friedrich Ginthör, klar. Derzeit liege der Akt bei der Untersuchungsrichterin. Das große Fragezeichen seien mehrere Beschlüsse über Gebührenbestimmungen, die noch nicht rechtskräftig sind. Es gehe beispielsweise um die Kosten für die Bergung des Wracks oder um Kosten für Sachverständige.(APA/red)

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