Pearl-Mord: Pakistans Geheimdienst verwickelt?

23. Februar 2002, 18:18
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Der US-Journalist war auf der Suche nach Hintermännern des "Schuhbombers" Richard Reid

Washington/ Karachi - Nach dem nun offiziell bestätigten Mord an dem entführten amerikanischen Journalisten David Pearl in Pakistan berichten US-Medien, dass der pakistanische Geheimdienst ISI in die Bluttat verwickelt sein könnte.

Pearl habe in Karachi über die Hintermänner des "Schuhbombers" Richard Reid recherchiert, der im Dezember auf einem Flug von Paris nach Miami ein Attentat versucht hatte. Dabei habe Pearl Verbindungen des Briten Reid zu islamistischen pakistanischen Terrorgruppen untersucht, die möglicherweise vom pakistanischen Geheimdienst unterstützt wurden, berichtet die "Washington Post" am Samstag unter Berufung auf Ermittlerkreise.

ISI-Offiziere noch ohne Kurswechsel

Der pakistanische Geheimdienst ISI (Inter-Services Intelligence) hatte die islamisch-fundamentalistischen Taliban in Afghanistan aktiv gefördert. Regierungschef Pervez Musharraf hatte jedoch einen Kurswechsel vollzogen und den USA im Kampf gegen das Taliban-Regime geholfen. Musharraf hat auch den Chef des Geheimdiensts ausgetauscht. Trotz des Wechsels an der Spitze sollen hohe ISI-Offiziere weiter enge Verbindungen zu militanten Islamisten haben. Auch die militanten islamischen Gruppen in Kaschmir, die gegen die indische Armee kämpfen, werden vom pakistanischen Geheimdienst gefördert.

Der inhaftierte moslemische Extremistenführer Sheikh Omar Said, der Anfang Februar über eine Freilassung Pearls verhandelt hatte, war auch an vom ISI unterstützten Aktionen im Kaschmir beteiligt. Die Entführung und Ermordung des Reporters des "Wall Street Journal" wurde nach Ermittlungen der pakistanischen Behörden durch eine Gruppe von mindestens 15 Personen ausgeführt. Der pakistanische Innenminister Moinuddin Haider verurteilte den Mord an Pearl als "terroristischen Akt", der auch Pakistan großen Schaden zufüge.

Videobeleg

Pearl war am 23. Jänner auf dem Weg zu einem Treffen mit einem islamischen Extremisten in Karachi verschwunden.

Die Entführer verschickten unmittelbar nach dem Kidnapping noch Fotos von Pearl und forderten die Freilassung mutmaßlicher pakistanischer Terroristen, die in Afghanistan gefangengenommen und dann auf den kubanischen US-Militärstützpunkt Guantanamo Bay gebracht worden waren. Danach gab es kein Lebenszeichen mehr von Pearl.

Im US-Konsulat in der pakistanischen Hafenstadt Karachi ging am Donnerstag ein Video ein, das die Ermordung des 38-jährigen Reporters zeigt. Das etwa drei Minuten lange Video zeigte Pearl während seiner Gefangenschaft und in den Sekunden seines Todes, wie aus Ermittlerkreisen bekannt wurde. Die Kamera sei auf den Journalisten gerichtet gewesen, als ihm plötzlich jemand die Kehle durchschnitt. Die Entführer seien nicht zu sehen gewesen. Offenbar seien jedoch zwei Menschen an der Ermordung beteiligt gewesen.

US-Präsident George W. Bush sprach von einem "barbarischen Akt". Das US-Außenministerium verurteilte die Ermordung von Pearl mit scharfen Worten. "Die USA und Pakistan sind entschlossen, die Täter dieses Verbrechens zu finden und der Gerechtigkeit zuzuführen." (red/APA/dpa/Reuters/AP)

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