Weltsicherheitsrat: Annan befürchtet "richtigen Krieg" in Nahost

22. Februar 2002, 08:51
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UNO-Generalsekretär warnt: Verringerung der Gewalt muss oberste Priorität haben

New York - UNO-Generalsekretär Kofi Annan befürchtet, dass sich der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern zu einem "richtigen Krieg" ausweiten könnte. Bei einer öffentlichen Debatte des Weltsicherheitsrates über die Eskalation der Gewalt im Nahen Osten erinnerte Annan daran, dass bei den Auseinandersetzungen zwischen beiden Seiten in den vergangenen sieben Tagen 60 Menschen ums Leben gekommen seien.

Gewalt eindämmen

Die Verringerung der Gewalt müsse nun oberste Priorität haben, sagte Annan. Annan plädierte für die Umsetzung der Empfehlungen von CIA-Chef George Tenet und des früheren US-Senators George Mitchell zur Beendigung des Konflikts.

Die Debatte war nach internen Konsultationen des Rates auf Drängen arabischer Staaten sowie der palästinensischen Autonomiebehörde angesetzt worden. Sie erwarten vom Sicherheitsrat eine Verurteilung der israelischen Angriffe. Zugleich beharrten sie auf ihrer vor mehr als einem Jahr erhobenen Forderung nach Entsendung einer internationalen Beobachtergruppe, sagten arabische Diplomaten. Bisher war dies maßgeblich von den USA blockiert worden.

UNO-Sicherheitsrat soll vermitteln

Annan hat den UNO-Sicherheitsrat zur Vermittlung aufgefordert. Israel und Palästinenser hätten jedes Vertrauen zueinander verloren. Deshalb sei das Eingreifen einer dritten Partei "wesentlich", sagte Annan bei einer Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats. "Wir sind wirklich am Rande des Abgrunds", sagte Annan weiter.

Oberste Priorität müsse die Eindämmung der Gewalt haben. Weitere Kernprobleme seien die Besetzung der palästinensichen Autonomiegebiete sowie die wirtschaftlichen Einschränkungen. "Die Perspektiven sind wenig ermutigend", warnte Annan. Der Konflikt drohe "mehr und mehr in einen totalen Krieg" abzugleiten. (APA/dpa)

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