Vorarlberg: Lehrplatz-Tausch "x change"

21. Februar 2002, 21:57
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Auch nur mit Wasser kochen, aber anderswo

Bregenz - "Die kochen auch nur mit Wasser", zu dieser grundlegenden Erkenntnis kam Maurerlehrling Michael aus Höchst in Vorarlberg als Austauschlehrling in einem Bauunternehmen in Radolfszell in Deutschland. Was Melanie, wirkliche Expertin auf kulinarischem Gebiet, nicht bestätigen kann. Die angehende Köchin aus Meran hatte ihren Lehrplatz für kurze Zeit mit Michaela aus Rorschacherberg/Schweiz getauscht und weiß heute: "Die Menschen sind anders und kochen deshalb auch anders." Gemeinsam ist den jungen Menschen, dass sie "wahnsinnig viel" gelernt haben und jederzeit wieder "ins Ausland" gehen würden.

Möglich wurde die Zusatzausbildung durch "x change", dem "Lehrlingsaustausch im Bodensee- und Alpenraum", eine Aktion der Internationalen Bodenseekonferenz und der Arge Alp. Es beteiligen sich 16 Länder und Kantone, die jährlich 50.000 Euro in Organisation und Lehrlingsgeld (400 Euro pro Lehrling und Aufenthalt) investieren. Mitmachen können Lehrlinge des zweiten Ausbildungsabschnittes. Der Aufenthalt dauert mindestens vier Wochen. Die ersten 14 (von insgesamt 35) Absolventinnen und Absolventen erhielten am Donnerstag im Vorarlberger Landhaus ihr Zertifikat.

Mühsame Suche

Bis ein Ausbildungsplatz gefunden ist, vergeht durchschnittlich ein Dreivierteljahr. Der Weg sei oft "ein langer und sehr mühsam", gibt sich Stefan Veigl, Projektleiter, illusionslos. "Es kann passieren, dass der Lehrling kein Lehrling mehr ist", bis "zwei Unternehmen endlich zueinander gefunden haben". Einer der Gründe sei der Mangel an personellen Ressourcen in den Kammern und Ämtern.

36 Lehrlinge stehen zurzeit auf der Warteliste von "x change". Aber erst sieben Austauschplätze sind fix. Die Vision des Projektleiters: "Der Lehrlingsaustausch soll zum Standard werden, zur Selbstverständlichkeit wie ein Auslandssemester für Studenten." Ende des Jahres läuft das Arge-Alp-Projekt aus. Dann soll "x change", so der Wunsch der Bodenseekonferenz, als Interreg-Projekt weitergeführt werden. (jub, DER STANDARD Print-Ausgabe 22.2.2002)

Info: Wirtschaftskammern Vorarlberg (05522) 305-263, Salzburg (0662) 88 88-431, Tirol (0512) 53 10-1428
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