Frächter: "Sumpf ist noch tiefer"

21. Februar 2002, 20:41
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In der heimischen Donauschifffahrt "noch katastrophalere Bedingungen"

Wien/Luxemburg - Zwischen den Transportgewerkschaften Österreichs und Luxemburgs ist es Donnerstag in Luxemburg zu einem ersten Treffen in Sachen Frächterskandal gekommen. "Der Sumpf ist noch tiefer, als angenommen", zeigte sich Österreichs Fachsekretär Georg Eberl danach erschüttert. Der Präsident des Unabhängiger Gewerkschaftsbund Luxemburg (OGBL), John Castegnaro, behauptete, dass die umstrittene Luxemburger Kralowetz-Firma ihren osteuropäischen Fahrern 3000 Euro (41.281 Schilling) "Schweigegeld" sowie eine Weiteranstellung bei einer anderen österreichischen Spedition geboten hätte, wenn sie auf eine Klage gegen die Firma verzichten. "Zwei oder drei" Lkw-Fahrer hätten diesen Vorwurf erhoben, sagte Castegnaro.

"Was Luxemburg für die Frächter, ist Österreich für die Reeder"

"Was Luxemburg für die Frächter, ist Österreich für die Reeder", kritisierte Robert Hengster, Fachsekretär für Schiffsverkehr im ÖGB. Auf der Donau herrschten "noch katastrophalere Bedingungen". In der Schifffahrt seien rund 1000 Menschen beschäftigt, aber nur 100 über "aufrechte, heimische Dienstverhältnisse, durch die sie bei uns sozialversichert sind und Lohnsteuern zahlen".

Donau-Frächter kontrolliert

Laut Wirtschaftsministerium wurden in den letzten Wochen Donau-Frächter kontrolliert. Nach einem entsprechender Prüfbericht könnte es möglicherweise Anzeigen geben. Angeblich sollen 200 illegale Beschäftigungen festgestellt worden sein, was vom Ministerium weder bestätigt noch dementiert wurde.

Eine gängige Praxis erklärt Hengster so: Die Schiffe hätten eine österreichische Zulassung, stünden aber unter deutscher Flagge und verfügten über eine ungarische Verfügungsberechtigung. Mit der deutschen Registrierung würden österreichische Kontingentierungen für ausländische Arbeitskräfte umgangen, mit der ungarischen Zuordnung würden hohe österreichische Steuern vermieden und mit der österreichischen Zulassung würde die Besatzung kostengünstig halbiert - die jeweiligen Mindestbesatzungen in Österreich entsprächen etwa der Hälfte der vorgeschriebenen Stärken in anderen EU-Staaten. (fei, DER STANDARD Print-Ausgabe 22.Februar 2002)

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