Mit 30 Juniorprofessor ohne Habilitation

21. Februar 2002, 18:58
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Lehrende werden leistungsabhängig entlohnt

Eine kleine Revolution findet heuer an den 52 deutschen Hochschulen statt. Rund 600 Wissenschafter um die 30 Jahre werden sich mit dem Titel eines Professors schmücken können. Diese "Juniorprofessoren" sind vollwertige Mitglieder in Fakultäten und Gremien, können selbstständig lehren und forschen, Drittmittel für Forschungsprojekte anwerben und Prüfungen abnehmen. Bisher war dafür die Habilitation Voraussetzung, die deutsche Wissenschafter im Schnitt mit 40 Jahren ablieferten.

Die Abschaffung der Habilitation und die Einführung der Juniorprofessur ist neben der leistungsabhängigen Bezahlung der Professoren das Kernstück der Hochschulreform. Das Gesetz tritt in diesen Tagen in Kraft, begleitet von Protesten. Die Fakultäten rügen die Abschaffung der Habilitation als "nicht sachgerecht" und verweisen auf die Notwendigkeit dieser Qualifikationsschrift. Vor allem die Ordinarien wehren sich gegen die dienstrechtliche Gleichstellung der Juniorprofessoren. Aber auch Teile des so genannten "Mittelbaus" stemmen sich gegen die Neuerungen. Kritiker befürchten Massenentlassungen, eine ganze Generation würde im Stich gelassen. Promovierte junge Wissenschafter sollen künftig in sechs Jahren ihre Tauglichkeit für eine Professur auf Lebenszeit beweisen. Durch den Wegfall der Habilitation und die Begrenzung der Doktorandenzeit auf sechs Jahre dauert der Weg dahin höchstens zwölf Jahre. Wer es bis dahin nicht schafft, muss sich einen anderen Job suchen. Auch für jene, die gerade mitten in ihrer Habilitationsarbeit stecken, gilt die neue Zeitbegrenzung. Es gibt keine Übergangsregelungen. Bildungsministerin Edelgard Bulmahn ist allerdings überzeugt, mit dieser Reform "die Abwanderung der besten Köpfe ins Ausland stoppen zu können". (DER STANDARD, Printausgabe, 22.2.2002)

Standard-Korrespondentin Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin
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