Argentinien-Krise greift auf Uruguay über

21. Februar 2002, 19:07
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Zweitgrößte Privatbank vorerst geschlossen

Montevideo - Die Banken haben es nicht leicht dieser Tage in Buenos Aires. Verrammelt mit Wellblech und Holzplanken, beschützt von schwer bewaffnetem Sicherheitspersonal, sind sie dennoch vor kochtopfschlagenden Demonstranten und steinewerfenden Randalierern nicht sicher.

Für die Regierung sind die Banken einerseits ein willkommener Sündenbock. Es interessiere ihn keinen Pfifferling, ob die Banken zusammenbrächen, tönte Präsident Eduardo Duhalde dieser Tage. Andererseits unternimmt sein Wirtschaftsminister Jorge Remes Lenicov alles, um eine große Bankenkrise wie 1995 in Mexiko zu vermeiden. Ganz behutsam nur werden die Beschränkungen im Bargeldverkehr gelockert, um die Institute nicht vor Liquiditätsprobleme zu stellen.

Bank geschlossen

Die Zeichen für den Sektor stehen trotzdem auf Sturm. Dieser Tage griff die Krise auch auf das Nachbarland Uruguay über, das einst wegen der Stabilität seines Finanzsektors "die Schweiz Südamerikas" genannt wurde. Nun hielt die Filiale der argentinischen Banco de Galicia dem Ansturm vor allem argentinischer Kunden nicht mehr stand. Nach einem Liquiditätsabfluss von 300 Mio. Dollar innerhalb von fünf Tagen gestattete die Zentralbank eine 90-tägige Schließung der zweitgrößten Privatbank des Landes.

Gleichzeitig geriet auch die größte private Geschäftsbank in Uruguay, Banco Comercial, wegen Liquiditätsproblemen ins Schlingern, weshalb die internationalen Teilhaber - J.P. Morgan Chase, Crédit Suisse First Boston und die Dresdner Bank Lateinamerika - das Kapital um 100 Millionen Dollar aufstockten.

Und die Lage war offenbar ernster, als die beschwichtigenden Kommentare von Wirtschaftsminister Alberto Bension glauben machten. Denn auch die Regierung sprang erstmals einer Privatbank zur Seite und erwarb für 33 Millionen Dollar Anteile. Die Banco Comercial kontrolliert etwa 20 Prozent der Einlagen in Uruguay im Gegenwert von rund 13,5 Milliarden Dollar. (Sandra Weiss, DER STANDARD, Printausgabe 22.2.2002)

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