Kolumbien im Krieg: Armee greift Farc an

21. Februar 2002, 19:05
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Militär hat laut Präsident Pastrana den Befehl, das Rebellen-Territorium umgehend zu besetzen

Bogotá/Montevideo - Seit Donnerstag, 0 Uhr, herrscht Krieg in Kolumbien: Das Militär hat mit dem Bombardement von Zielen in der "Sicherheitszone", dem entmilitarisierten Rebellengebiet, im Süden des Landes begonnen.Am Vortag hatte Präsident Andres Pastrana Verhandlungen mit der linksgerichteten Farc-Guerilla für beendet erklärt, nachdem eine Passagiermaschine entführt und ein kolumbianischer Senator verschleppt worden war.

"Heute glaubt niemand mehr, dass die Guerilla eine politische Alternative darstellt und ihr Rückhalt im Volk liegt praktisch bei Null", sagte der erregt gestikulierende Staatschef in einer Fernsehansprache. "Heute hat die Guerilla ihr wahres Gesicht gezeigt, das Gesicht einer sinnlosen Gewalt."

Kurz nach Mitternacht überflogen erste Kampfflugzeuge die Ortschaft San Vicente del Caguan inmitten der einstigen entmilitarisierten Zone. Im Rahmen der Operation "Tanatos" werden 13.000 Soldaten mobilisiert und 85 strategische Ziele bombardiert, erklärten die Streitkräfte. Das Militär soll dabei auch die vor kurzem von den USA gelieferten Black-Hawk Hubschrauber einsetzen.

Das Militär habe Befehl, das 42.000 Quadratkilometer große Rebellen-Territorium umgehend zu besetzen, sagte Pastrana. Tausende Soldaten standen bereit, um mit gepanzerten Fahrzeugen und Hubschraubern in die seit mehr als drei Jahren von der Farc gehaltene Zone vorzudringen.

Pastrana forderte die Rebellen auf, unverzüglich das Rückzugsgebiet zu verlassen. Die Guerilleros sprachen von einer neuerlichen Kriegserklärung der Regierung, die zu weiterem Blutvergießen führen werde. Viele Beobachter befürchten, dass der seit 38 Jahren andauernde Bürgerkrieg nun in eine noch blutigere Phase treten wird. Jährlich sterben mehr als 3500 Menschen in dem Konflikt, im Laufe der Jahre sind 200.000 Personen umgekommen.(Der STANDARD-Printausgabe, 22.2.2002)

Von STANDARD-Korrespondentin Sandra Weiss
  • Artikelbild
    foto: epa/luis acosta
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