Zeuge schildert Vergeltungsaktion des serbischen Militärs im Kosovo

21. Februar 2002, 18:55
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Kreuzverhör eines Zeugen abgebrochen - Anhänger des Ex-Präsidenten demonstrieren in Belgrad

Belgrad/Den Haag - Die Gerichtsverhandlung im UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ist am Donnerstag Nachmittag mit dem Zeugen Hashim Morina aus dem Dorf Landovica im Kosovo, wenige Kilometer westlich von Prizren, fortgesetzt worden. Er schilderte eine Vergeltungsaktion des jugoslawischen Militärs in Landovica. Zuvor soll es zu einem Zwischenfall im Dorfzentrum gekommen sein, bei dem drei serbische Soldaten und ein Dorfbewohner getötet sein sollen.

Anwalt von Milosevic: Objektivität des Tribunals in Frage

Der Milosevic-Prozess wird am Montag fortgesetzt. Milosevics Anwalt in Belgrad, Zdenko Tomanovic, hat sich inzwischen zum Abbruch des Kreuzverhörs eines Zeugen am Donnerstag geäußert. Dadurch sei die Objektivität des Tribunals in Frage gestellt worden, sagte Tomanovic. Der Zeuge Agim Zeqiri hatte wegen gesundheitlicher Probleme um den Abbruch des Verhörs gebeten. Bei einem serbischen Überfall auf sein Dorf habe er eine Nierenverletzung erlitten und gilt deshalb als Invalide.

Slobodan Milosevic beschuldigte den Zeugen der Unglaubwürdigkeit. Der Mann habe "falsche Aussagen" gemacht, erklärte der frühere jugoslawische Präsident nach der Mittagspause vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal im niederländischen Den Haag. "Als einstiger Direktor des Zahlungsbüros in Orahovac" müsse dieser wissen, dass "kein serbischer Politiker" jemals erklärt habe, dass sich die Serben an den Albanern rächen würden, falls es zu den NATO-Luftangriffen kommen würde, argumentierte Milosevic.

Der Zeuge behauptete in seiner Aussage, nie im Kontakt mit der "Albanischen Befreiungsarmee des Kosovo" (UCK) gestanden zu haben und auch nichts über deren Aktivitäten zu wissen. Er gab auf die Nachfrage eines Pflichtanwalts von Milosevic allerdings zu, dass sein Sohn in Kontakt mit den UCK-Angehörigen gestanden war.

Pro-Milosevic Demonstration in Belgrad

Einige Dutzend Anhänger Milosevics haben indes am Donnerstag vor der niederländischen Botschaft in Belgrad demonstriert. Die Demonstranten haben dem Botschaftspersonal ihre schriftlichen Forderungen überreicht. Verlangt wird die Ausstellung von Einreisevisa für Mitglieder der Familie Milosevic sowie für eine Delegation der Sozialistischen Partei, die den Parteichef im Tribunalsgefängnis besuchen möchte.

Milosevic hatte sich am Mittwoch vor dem UNO-Tribunal darüber beklagt, dass seinen Familienangehörigen das Einreisevisum verweigert worden war. Gemäß des niederländischen Außenministeriums handle es sich allerdings nur um einen zu spät eingereichten Antrag.(APA)

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