Der Biobauer als "Bauernopfer"

22. Februar 2002, 23:18
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Neue Sozialversicherungspflicht lässt etliche Öko-Landwirte zittern

Wien - Fritz Loidl, Biobauer in Kopfing bei Kaundorf (Oststeiermark) sieht auf sich und seine Frau Maria teure Zeiten zukommen. Ab Februar kommenden Jahres drohe "die Hälfte unseres Gewinns aus dem Verkauf veredelter Waren" - Apfel- und Beerensäfte, Kürbiskernöl, Vollkornbrot und diverse Mehle - für Sozialversicherungsbeiträge aufgebraucht zu werden, rechnet er vor.

Finanziell spürbare Folgen

Dann nämlich werde die mit 1.1.2002 in Kraft getretene 25. Novelle des Bauern-Sozialversicherungsgesetzes erstmals finanziell spürbare Folgen zeitigen. Ein Regelwerk, das die Einkünfte aus dem Verkauf be- und verarbeiteter Produkte in kleinen und mittleren Betrieben, die bisher im Beitragssystem nicht extra erfasst wurden, mit in die Pflichtversicherung nimmt: in einer Höhe von durchschnittlich 6,84 Prozent des Umsatzes.

Letzterer - so Loidl - habe auf seinem Hof im Jahr 2001 rund 42.150 Euro (580.000 Schilling) betragen, "also werden wir ab 2003 rund 2883 Euro (39.672 Schilling) an Kranken- und Pensionsversicherungsbeiträgen aufbringen müssen". Für ihn als Biobauern sei das ein großes Problem: "Um billiger zu kommen, werden wir wohl ein Gewerbe anmelden".

25 Prozent des Ökoumsatzes im Direktvertrieb

Ähnlich wie Loidl könnte es vielen Öko-Landwirten gehen, fürchtet Franz-Jakob Purkathofer vom größten heimischen Biobauernverband Ernte für das Leben. Der Grund: Rund 25 Prozent des Ökoumsatzes würden im Direktvertrieb von Käse und Wurst, Brot, Weinen und Schnäpse in Bioqualität lukriert. Während bei vergleichbaren, nicht ökologisch produzierten Waren dieser Anteil nur bei etwa fünf Prozent liege.

Fazit, laut Purkathofer: "Die Biobauern könnten die Bauernopfer der neuen Sozialversicherungspflicht werden". Angesichts europaweiter Landwirtschaftskrisen sei das "besonders pikant".

Dem widerspricht Karl Donabauer, Obmann der Sozialversicherungsanstalt der Bauern. Nachteile für Biobauern lägen nicht in der Absicht, vielmehr sei die Novelle als Umsetzung einer Grundsatzentscheidung aus 1997 zu verstehen, jedwede Einkünfte unter Sozialversicherungspflicht zu stellen. Wie einst bei den Werkverträgen: "Ich appelliere an die Solidarität des Bauernstandes", sagt Donabauer. (Irene Brickner, DER STANDARD Print-Ausgabe 22.Februar.2002)

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