"Uns fehlt Planungssicherheit"

22. Februar 2002, 09:32
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Ex-SPÖ-Vorsitzender Viktor Klima über seine Probleme als Chef von VW Argentina

Buenos Aires - "Die Situation ist nicht einfach": Viktor Klima, der Chef von VW Argentina, bringt gleich im ersten Satz seine Einschätzung der aktuellen Lage in Argentinien auf den Punkt. Er sieht sich so wie andere Unternehmer fast täglich mit neuen Ankündigungen und Vorschriften konfrontiert.

Die größte Schwierigkeit sei, dass faktisch keine Auslandsüberweisungen möglich seien. "Man braucht eine Genehmigung der Zentralbank, dass man Lieferanten bezahlen kann, damit man von Peso in US-Dollar wechseln kann." Es gebe auch einen gewissen Vertrauensverlust. "Viele Lieferanten bestehen auf Cash in Advance für ihre Lieferungen. Und wir benötigen diese, damit wir unsere Produktion aufrechterhalten können", beschreibt Klima im Gespräch mit dem Standard den Teufelskreis.

Im Vergleich zu anderen Fahrzeugproduzenten geht es VW noch vergleichsweise gut, wenn auch die Betriebsferien Anfang Februar um zwei Wochen verlängert wurden. Es ist gelungen, die Produktion zu 70 Prozent auf Export umzustellen, vor allem die in Cordóba hergestellten Getriebe sind gefragt. Hauptabnehmerland ist Mexiko.

Einheimischer Markt zusammengebrochen

Der einheimische Markt in Argentinien ist de facto zusammengebrochen. "Das Geld der Menschen ist gleichsam beschlagnahmt durch die Sperre der Sparkonten. Die Leute können sich nichts kaufen."

Wie hoch die Einbußen bei VW Argentina sind, will Klima nicht sagen, sondern verweist auf allgemeine Zahlen: Vor Beginn der Rezession in Argentinien vor vier Jahren wurden 400.000 Autos verkauft, jetzt sind es rund 70.000.

Ob der eingeschlagene Weg von Präsident Eduardo Duhalde der richtige sei, der unter anderem die Aufhebung der Dollarbindung und die Freigabe des Peso verfügt hat? "Tatsache ist, dass die Risiken erheblich sind. Es muss ein durchgängiges Konzept folgen. Jetzt hat man oft den Eindruck, es ist ein Try-and-Error-Verfahren", meint Klima. "Derzeit fehlt jegliche Planungssicherheit."

"Stabilitätsszenario"

Zu Prognosen, dass erst 2003/2004 ein Aufschwung kommen werde, meint Klima: "Die Frage ist, ob der Tiefpunkt schon erreicht ist." Es werde sich zeigen müssen, ob Argentinien den geordneten Weg einer Abwertung wie Mexiko und Brasilien schaffe oder ob wie in Ecuador eine Hyperinflation eintrete.

Für ein "Stabilitätsszenario" seien die Antworten auf mehrere Fragen Voraussetzung: Ob es eine Vereinbarung mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) gebe, wie das Budget 2002 ausschaue, ob die Pesoifizierung gelinge, der Wechselkurs stabil und die Inflation niedrig gehalten werden könne. Die sozialen Probleme schätzt der der frühere SPÖ-Chef als gravierend ein: "Es ist ohne Zweifel so, dass es eine gefährliche Mischung gibt." So liege die Arbeitslosenrate bei über 25 Prozent, durch die Abwertung sei der bisher sehr starke Mittelstand besonders betroffen.

Zur Situation in Österreich und insbesondere zu den jüngsten politischen Aktivitäten Jörg Haiders will sich der ehemalige Regierungschef nicht äußern, nur so viel: "Es scheint noch in Erinnerung zu sein, dass ich aus gewichtigen Gründen eine Koalition mit der FPÖ immer abgelehnt habe. Ich sehe mich bestärkt darin." (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD, Printausgabe 22.2.2002)

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