Schlimmstes Baujahr seit 20 Jahren

21. Februar 2002, 19:01
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Wifo-Expertin Czerny sieht nach 2001 zwar Talsohle erreicht, aber keine Trendwende in Sicht

Wien - Die heimische Baukonjunktur habe in den vergangenen Monaten die Talsohle erreicht, "eine Trendwende sehe ich in den nächsten zwei bis drei Jahren aber nicht", meint die Bauexpertin des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Margarete Czerny.

Zu "merklichen Zuwachsraten" werde es erst in den Jahren 2004/05 kommen. Das vergangene Jahr, schätzt die Wirtschaftsforscherin, ist für die Bauwirtschaft mit einer um real 3,5 Prozent geschrumpften Produktion das "schlechteste Jahr seit 20 Jahren" gewesen. Das bisher letzte Mal war die Bauwirtschaft im Jahr 1986 - allerdings geringfügig - geschrumpft. "Seit damals hat es in der Bauproduktion kein Minus gegeben."

Beschäftigte

Die Beschäftigtenzahl der Branche ist nach den vorläufigen Wifo-Zahlen im vergangenen Jahr auf 247.000 Personen zurückgegangen - nach einem Höchststand von 270.000 Beschäftigten, der Mitte der Neunzigerjahre erreicht worden war. Dieses Beschäftigtenniveau werde sich in den kommenden Jahren nicht verändern und sich "auf 240.000 bis 245.000 einpendeln", meinte die Wifo-Forscherin. Mittel- und langfristig werde die Bauwirtschaft hinter dem Wachstum der Volkswirtschaft zurück bleiben, glaubt Czerny.

Tiefbau

Beim Tiefbau sieht Czerny unter Berufung auf die jüngsten Konjunkturtests wieder leichte Besserungstendenzen, die sich mit dem Wirksamwerden des Generalverkehrsplans (GVP) verstärken sollten. Beim Wohnungsneubau gebe es "nach wie vor starke Zurückhaltung" seitens der Bauträger, die zuletzt eingebrochenen Neubauzahlen "dürften allerdings nun nicht mehr viel stärker zurückgehen", so Czerny.

Pessimistisch ist die Wifo-Expertin für die weitere Entwicklung im Bürobau. Statt Beschäftigte "aus der Branche hinauszuschulen", wie ursprünglich im Rahmen der Arbeitsstiftung für Bauarbeiter geplant, soll es verstärkt zu einer Umschulung innerhalb der Branche kommen, meint Czerny - etwa für Sanierungstätigkeiten und "besondere technische Aufgaben". Gerade bei den "umfassenden Gebäudesanierungen" gäbe es "viel zu machen", und großer Nachholbedarf bestehe auch bei den Genossenschaften, die sich dabei bisher zurückgehalten haben.

Nachfrage

In diesem Bereich sei es "sinnvoll, die private Nachfrage zu stärken, statt Arbeitslosigkeit zu finanzieren", sagt die Expertin, die die Regierung bei der Erstellung des Konjunkturpakets beraten hat. Einem forcierten Ankurbeln der Neubauproduktion stünde Czerny - würde sich die Frage überhaupt stellen - skeptisch gegenüber.

Dass die Leerstände zurückgingen - wie dies die gemeinnützige Wohnungswirtschaft am Donnerstag behauptet hatte - sei auch "gut so", sagt die Expertin. (APA, DER STANDARD, Printausgabe 22.2.2002)

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