Wolfgang Roscher, 1991-95 Rektor des Mozarteums, 75-jährig gestorben

21. Februar 2002, 15:15
1 Posting

Engagierter Musikpädagoge

Salzburg - Der frühere Rektor der Universität Mozarteum in der Stadt Salzburg, Wolfgang Roscher, ist in der Nacht auf Mittwoch in Salzburg im 75. Lebensjahr verstorben, gab das Mozarteum bekannt.

Roscher wurde am 29. Mai 1927 in Komotau geboren. Er studierte Komposition (u.a. bei Carl Orff), Musik- und Erziehungswissenschaft, Literatur- und Kulturgeschichte, Philosophie und Theologie (Bamberg, Erlangen, München) und promovierte 1951. Nach kirchen- und schulmusikalischen Tätigkeiten (u.a. Stift Tepl / Westböhmen; Hum. Gymnasium Ettal / Oberbayern) übernahm er 1960 den Lehrstuhl für Musikerziehung, später für Musik und Auditive Kommunikation (Alfeld / Hildesheim) und wurde 1981 auf das Ordinariat für Musikpädagogik am "Mozarteum" Salzburg berufen, dessen Rektor er von 1991 bis 1995 war.

Wolfgang Roschers Lebenswerk war bestimmt vom Dreiklang Kunst, Wissenschaft und Erziehung, sowie deren vielfältigem Beziehungs- und Spannungsgefüge. In seiner Tätigkeit an der Universität Hildesheim legte er mit dem Gedankengut Polyästhetischer Erziehung wesentliche Grundlagen einer der gegenwärtig prägenden musikpädagogischen Richtungen des deutschen Sprachraums und wurde zum Mitbegründer des Studiengangs "Kulturpädagogik". Als Ordinarius für Musikpädagogik am Mozarteum begründete er das Institut für Integrative Musikpädagogik und Polyästhetische Erziehung, dessen Namensgebung in deutlicher Form seine Intentionen unterstrich: die Schärfung des Blicks für Verbindendes zwischen den Rassen, Klassen und Kulturen bei gleichzeitigem Respekt vor dem Einzigartigen und Persönlichen, das sich jeglicher Gleichmacherei widersetzt. Eine solche Zielsetzung war verbunden mit der Forderung von Wachsamkeit gegenüber den vielfältigen Gefahren eines Musikzwangs.

Als Rektor wurde Roscher zum Initiator der Poetik-Gastprofessur an der Universität Mozarteum. Von 1992-1998 war er Dekan der Klasse der Künste in der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste. Roscher verfocht die musik- und kulturpädagogische Lehre einer friedenserzieherischen und bildungsphilosophischen "Mehr-Wahr-Nehmung" (polyaisthesis). Bücher wie "Musik, Kunst, Kultur als Abenteuer" (1994), "Sinn und Klang" (1997), "Klangszenen zum Weltfrieden" (2000) sind der Verbindung von ideen- und problemgeschichtlichen Analysen mit Impulsen zur Integration des Erfahrens und Darstellens für humane "Integrität" gewidmet. Diese zentralen Anliegen prägen auch seine Kompositionen und Filme, CD-Produktionen sowie Musiktheater- und Oratorienimprovisationen. (APA)

Share if you care.