Schmidt-Dengler: Zweite 68er-Bewegung vorprogrammiert

21. Februar 2002, 14:08
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Rektoren-Chef Winckler: Viele Dinge zu spät angegangen - Erst jetzt Taskforce für Finanzfragen gegründet

Wien - Kritik an den geplanten Einschränkungen der Mitbestimmung und der Reduktion der universitären Gremien übte der Germanist Wendelin Schmidt-Dengler. Nach seiner Erfahrung habe die Mitbestimmung bei allen Beteiligten Lernprozesse gefördert und auch die Auseinandersetzung in Gremien habe sich an den geisteswissenschaftlichen Instituten bewährt. Für Schmidt-Dengler lässt deshalb die Reform "eine zweite 68er-Bewegung nicht nur für wahrscheinlich, sondern für vorprogrammiert erscheinen".

"Irritiert" zeigte sich der Germanist auch darüber, in welcher "Unschärfe die Reform betrieben wird". Dies erinnere ihn an Qualtingers "Wilden mit seiner Maschin", der nicht weiß wo er hin wolle, aber dafür schneller dort sei. Schmidt-Dengler plädierte dafür, "die Dinge so anzugehen, als wären sie ein Jahrhundertwerk".

Die Vorsitzende der Hochschülerschaft an der Uni Wien, Andrea Brunner, befürchtet die völlige Auflassung der Mitbestimmung an den Universitäten und erklärte, dass die Studierenden ihre Bildung und Zukunft aktiv mitgestalten wollten. Entgegen den Beteuerungen der Politiker läuft nach Ansicht von Karl Dirnschmied von der Arbeiterkammer jede Ausgliederung unter ökonomischen Kriterien und führe zu Personalabbau. Zu befürchten sei, dass es - wie andere Ausgliederungsbeispiele zeigen würden - an den Unis nach einer Reduktion des Personals auch zu einer Reduktion des Leistungsangebots komme.

Der Vorsitzende der Österreichischen Rektorenkonferenz und Rektor der Uni Wien, Georg Winckler, kritisierte am Rande der Enquete im Gespräch mit der APA, dass viele Themen der Reform vom Bildungsministerium zu spät angegangen worden seien. So hätte er sich zu den Themen "Künftige Rolle der Medizinischen Fakultäten" und "Folgekosten der Reform" rechtzeitige Diskussion und entsprechende Expertisen als Grundlagen gewünscht. Da es zwei Wochen vor Veröffentlichung des Gesetzesentwurfs am 8. März noch keine befriedigenden Ergebnisse zu diesen Themen gebe, könne er auch noch nicht abschätzen, ob es eine gute Reform werde.

Nach einem Gespräch von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) mit Finanzminister Karl-Heinz Grasser am Dienstag sei nun eine "Taskforce" gegründet worden, die sich mit Fragen des Rechnungswesens, der Eröffnungsbilanz und der Folgekosten beschäftige und der auch Winckler angehört. Dieser Finanzierungsbereich sei eine der zentralen Fragen, die nach Ansicht des Rektorenchefs bis zur Vorlage des Gesetzesentwurfs geklärt werden müssten. Offen sei weiters noch die Frage, ob die medizinischen Fakultäten zu eigenen Unis umgewandelt werden sollen sowie die Tiefengliederung der Unis. Dabei gehe es vor allem um die Rolle der Fakultäten, "denn wenn diese abgeschafft werden sollen, werden sie alle hinaus wollen in die Selbstständigkeit, so wie die Mediziner", sagte Winckler. (APA)

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