von Clarissa Stadler
Mörkedal

21. Februar 2002, 22:48
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"Mörkedal!", sagt N. und setzt ein verschwörerisches Lächeln auf. Wir wissen beide, worum es geht. Nachdem ich N. von meiner Neuerwerbung erzählt habe, hat sie sofort, ohne zu zögern auf den richtigen Namen getippt. Kein Wunder. Mörkedal liegt, bei all seinem Gewicht, bildlich gesprochen, in der Luft. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass es der Frühling des Mörkedal werden wird, wenn nicht überhaupt ein Mörkedal-Jahr. Auch N. hat sich, nach langem Herumsuchen, für dieses Modell entschieden. Wir sprechen übrigens von einem IKEA-Bett.

Jeder, der schon mal ein Bett kaufen musste, weiß, wie schwierig so eine Anschaffung ist. Schwieriger ist nur noch die Suche nach dem richtigen Sofa oder dem richtigen Auto. Nicht, dass uns Konsum in irgendeiner Weise schwer fallen würde. Wirklich nicht. Aber Bett, Sofa und Auto - das ist Lebensmobiliar - , da schwingen ideologisch noch die Fünfziger Jahre mit. Allein das Wort "Anschaffung" klingt mühsam. Ist es auch. Was man nicht beiläufig beim "Shopping" einkaufen kann, kann auch keinen Spaß machen. Wer will sich denn auch noch beim Konsum verpflichten? Ein so genanntes gutes Stück, das dann ewig hält und einem Jahre lang ein schlechtes Gewissen macht? Das man nicht entrümpeln kann, weil es damals teuer war und jetzt noch immer nicht kaputt ist? Oder womöglich ein Designklassiker!

Am schlimmsten ist die Sache mit dem Bett. Da kauft man die Erwartung mit. Single-Trutzburg, Ehe-Höhle, Familien-Kiste. Soll bis zur Goldenen Hochzeit halten, wo doch jeder weiß, dass nicht nur die Matratze nach spätestens acht Jahren ermüdet. Schluss damit! Mörkedal ist die Lösung für Menschen, die sich keine Illusionen mehr machen. Die sich einmal für die Ewigkeit eingerichtet haben und schon vor dem ersten Boxenstopp mit Kollateralschaden ausgeschieden sind. Morgen Vormittag wird Mörkedal geliefert.

derStandard/rondo/22/02/02

Von
Clarissa Stadler

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