Unfruchtbar durch Schadstoffe und Umweltgifte

21. Februar 2002, 12:24
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Umweltmediziner fordert eine Förderung des ökologischen Landbaus

Wien - In den Industriestaaten bleiben immer mehr Paare unfreiwillig kinderlos. Ein Teil ist wohl auf den Wunsch vieler Frauen zurückzuführen, erst spät Kinder zu bekommen. Für den Innsbrucker Umweltmediziner Klaus Rhomberg spielt aber sicher auch die Schadstoffbelastung eine Rolle. Dies erklärte er am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

"In den fünfziger Jahren betrug der Anteil der kinderlosen Paare noch fünf bis acht Prozent. Wir wissen, dass sich ihre mögliche Anzahl auf 15 bis 20 Prozent gesteigert hat", sagte Rhomberg bei einer Pressekonferenz der Gesellschaft zur Förderung von Wissenschaft und Forschung, die Projekte außerhalb des "Mainstreams" privat fördern will.

Zahl der Spermien verringert

Der Umweltmediziner hat für die Gesellschaft eine Dokumentation über Hinweise auf die Beteiligung von Umweltgiften und Schadstoffen an der angenommenen Abnahme der Fertilität zusammengestellt. Nach ersten Forschungsergebnissen in den fünfziger Jahren sei mittlerweile von Fachleuten akzeptiert, dass sich beispielsweise die Zahl der Spermien im Ejakulat verringert habe.

Rhomberg über die seiner Meinung nach bisher völlig unzureichenden Konsequenzen aus diesen Beobachtungen: "Man setzt lieber die Normwerte herunter, als dass man sich auf die Suche nach den Ursachen begibt." Wären 951 noch 120 Millionen Spermien pro Milliliter Samenflüssigkeit als normal angesehen worden, hätte die WHO 1989 einen Normalwert von nur noch 20 Millionen Spermien pro MIlliliter etabliert.

Cocktail an Pestiziden

Für den Umweltmediziner ist jedenfalls gesichert, dass vor allem der in der modernen Welt ständig vorhandene Cocktail an Pestiziden, Insektiziden, PCB, Hexchlorbenzol, Holzschutzmitteln und Schwermetallen wie Blei, Cadmium, Quecksilber etc. an der verringerten Fertilität ursächlich beteiligt ist. Hinzu käme, dass manche der Substanzen Hormon-ähnliche Wirkungen hätten und auch noch in geringsten Mengen ihren Effekt auf die Fruchtbarkeit von Mann und Frau entfalteten.

Rhomberg nannte dazu Beobachtungen der Heidelberger Endokrinologin Ingrid Gerhard: "Die Hälfte der (unfreiwillig kinderlosen) Paare könnte sich eine In-Vitro-Fertilisierung ersparen, wenn sie sich vom Umweltmediziner behandeln ließen." Allein durch Information über die größten Expositionsrisken gegenüber Umweltbelastungen und einer möglichst großen Einschränkung der Aufnahme bzw. auch durch die "Ausleitung" solcher Substanzen aus dem Körper hätte die Expertin die IVF-Erfolgsrate stark erhöhen können.

"Das Ergebnis war erschreckend"

Der Umweltmediziner: "Die Erfolgsrate hat sich in der Ambulanz von Gerhard von 30 auf mehr als 60 Prozent verbessert." Wer also unfreiwillig kinderlos sei, sollte laut dem Innsbrucker Arzt jedenfalls "beim Biobauern kaufen": "Ich fordere eine Förderung des ökologischen Landbaus."

Klaus Kastenhofer von Global 2000 fasste bei der Pressekonferenz die Ergebnisse der von seiner Organisation in Auftrag gegebenen Analyse von zehn Kilogramm aus Spanien importierter Paprika zusammen: "Das Ergebnis war erschreckend. Wir haben bis zu acht Pestizide in einer Probe gefunden." Bei manchen der entdeckten Substanzen gebe es wegen ihrer Hormon-ähnlichen Wirkung einen unteren Schwellenwert. Besonders wichtig aber sei der "Cocktail-Effekt" der verschiedenen enthaltenen Schadstoffe. (APA)

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