"Frauen verkaufen sich schlechter"

21. Februar 2002, 12:49
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Studien belegen immer noch eklatante Gehaltsunterschiede zwischen den Geschlechtern

Zahlreiche Studien belegen es: Die Gehälter von Frauen liegen immer noch unter denen von Männern. Rund 20 Prozent macht der Unterschied nach einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) aus. Geschäftsführerinnen verdienen im Schnitt 40 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen, gibt die Personalberatung Kienbaum in ihrer Vergütungsauswertung 2001 an. Diese Tendenz beobachtet Kienbaum seit Jahren, wie die FAZ.NET-Wochenserie "Frauen im Beruf" berichtet.

Zwar arbeiten insgesamt mehr Frauen in geringer bezahlten Berufen. Über das Berufsleben betrachtet schwanken die Verhältnisse jedoch. So verdienen beispielsweise Betriebswirtinnen beim Start in den Beruf genauso viel wie ihre ehemaligen Kommilitonen. Eine Studie der Ruhr-Universität Bochum unter den BWL-AbsolventInnen des Examenstermins Frühjahr 2000 ergab, dass die Frauen bei den Spitzengehältern die Männer übertrumpften.

"Bei HochschulabsolventInnen haben Firmen klare Ranges. Da wird kein Unterschied gemacht, ob Mann oder Frau", sagt Christian Näser, Bereichsleiter Compensation bei Kienbaum. Doch wenn Frauen Auszeiten für Kindererziehung nehmen, ändert sich dies, zeigt die IW-Befragung.

"Runter gehen kann frau immer noch"

Frauen verkaufen sich schon schlechter, wenn sie sich bewerben, ist die Hypothese von Personalberater Näser: "Frauen fordern oft weniger als Männer. Was fehlt, ist das Selbstbewusstsein." Zuerst den Marktwert ermitteln und dann durchaus selbstbewusst fordern, rät Näser. "Runter gehen kann man immer noch."

Eine selbstbewusste, aber realistische Gehaltsforderung zahlt sich für Frauen in jedem Fall aus. Denn das Niveau des Einkommens macht sich bis in die Altersvorsorge bemerkbar. Kombiniert mit kürzeren Rentenversicherungszeiten wegen der Kindererziehung bleiben die Versorgungsansprüche meistens hinter denen der Männer. Drei Viertel der Frauen in Deutschland werden deshalb im Alter nicht über ein ausreichendes Einkommen verfügen, hat das Kölner Marktforschungsinstitut Psychonomics im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) herausgefunden.

Dabei ist den meisten Frauen laut der Studie bewusst, dass ihre Absicherung im Alter nicht ausreichen wird. Ein Grund mehr, bei den Gehaltsverhandlungen nicht zu tief zu stapeln. (red)

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