NHL-Stars vor Olympia-Rückzug

21. Februar 2002, 16:47
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Commissioner Bettman: "Olympia macht für uns keinen Sinn, weil es dem Spielbetrieb und unseren Geschäften schadet

Salt Lake City - Die olympische Traum-Ehe mit dem Eishockey-Weltverband steht vor der Scheidung, die Winterspiele 2006 in Turin werden wohl ohne die Stars aus der nordamerikanischen Profiliga (NHL) über die Bühne gehen. "Die Balance stimmt nicht mehr. Unserer Liga entstehen mit der Olympia-Teilnahme mehr Nachteile als Vorteile", sagte NHL-Commissioner Gary Bettman am Rande des Turniers in Salt Lake City. Terminprobleme und konträre Auffassungen zwischen der NHL und dem Weltverband (IIHF) über die Abstellung der Dollar-Millionäre scheinen unüberwindbare Hürden auf dem Weg zu einem "Dream-Turnier III" nach 1998 und 2002 zu sein.

Einigung scheint ausgeschlossen

Die Verhandlungen für Turin sollen unmittelbar nach dem Finale am Sonntag aufgenommen werden. Eine Einigung wie 1999, als NHL und IIHF die Teilnahme der Stars bei den Winterspielen in Salt Lake City vereinbarten, scheint allerdings ausgeschlossen. Der Weltverband drängt darauf, dass die Spieler der besten Liga der Welt ganz für das 16-tägige Turnier zur Verfügung stehen und bereits in der Vorrunde aufs olympische Eis gehen. "Wir wollen ein faires Turnier, das hier in Salt Lake City war nicht fair", sagte IIHF-Präsident Rene Fasel und reagierte damit auf einen Offenen Brief des slowakischen Teams.

Benachteiligte Slowaken

Die in der Vorrunde ausgeschiedenen Slowaken, die auch Österreich mit 2:3 unterlagen, fühlten sich benachteiligt, weil sie nicht schon zu Beginn des Turniers auf ihre besten NHL-Spieler zurückgreifen konnten. Bob Goodenow von der NHL-Spielergewerkschaft (NHLPA) hatte Verständnis für die Enttäuschung der Slowaken. Die mit den NHL-Clubs getroffene Vereinbarung, ihre Spieler erst für die Finalrunde freizugeben, sei "wahrscheinlich nicht fair. Ich hoffe, wir lernen daraus und machen es in Zukunft anders".

"Olympia macht für uns keinen Sinn"

Der Gewerkschafts-Boss, der die 700 NHL-Spieler vertritt, befürwortet eine Olympia-Teilnahme der Profis. "Für sie ist das das Höchste und eine Ehre, bei den Spielen dabei zu sein", sagte Goodenow. Doch die Club-Eigner, denen alleine eine profitable Liga am Herzen liegt, sind nicht zu Kompromissen bereit. "Die NHL kann ihren Spielbetrieb nicht für 16 Tage unterbrechen. Mehr als zwölf Tage sind nicht drin", betonte Bettman. "Olympia macht für uns keinen Sinn, weil es dem Spielbetrieb und unseren Geschäften schadet." So seien die Club-Eigner schon vor vier Jahren äußerst ungehalten darüber gewesen, dass wegen der Olympia-Pause das Stanley-Cup-Finale erst im Juni stattfand.

"Weltspiele" statt olympischer Spiele

Bettman erteilte Turin noch keine endgültige Absage, aber man müsse in den bevorstehenden Gesprächen mit dem Weltverband genau abwägen, ob die Winterspiele gut für die Liga, gut für die Spieler und gut für die Fans seien. Weil schon in Nagano die Rechnung der NHL nicht aufging und der erwartete Boom ausblieb, konzentriert sich die Liga schon heute auf ihre eigenen "Weltspiele". Im Herbst 2004, vor dem Saisonstart der NHL, soll in Kanada der Worldcup mit den sechs weltbesten Mannschaften ausgespielt werden. (APA/dpa)

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