Fünf Jahre Klontiere - Das menschliche Klonen rückt immer näher

21. Februar 2002, 10:54
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Diskussionen und Dogmen um die Science-Fiction Wirklichkeit

Hamburg - Ohne Dolly, dem Klonschaf wäre die Diskussion um das therapeutische Klonen undenkbar.

Bisher ist der Klonzoo aus Mäusen, Kühen, Schweinen, Ziegen und weiteren Schafen auf mehrere hundert Tiere angewachsen. Am 14. Februar 2002 hatten Forscher in Texas das erste Klonkätzchen vorgestellt. Einige weltweit umstrittene Wissenschafter wollen nun Menschen klonen. Der US-Mediziner Panyiotis Zavos hatte Anfang Februar erneut verkündet, er wolle mit dem Klonen den Kinderwunsch unfruchtbarer Paare erfüllen. Zehn Paare stünden bereit. Der Starttermin sei bereits im März.

Menschliche Embryonen klonen

Ende November hatten Forscher der US-Firma ACT von der Produktion geklonter menschlicher Embryonen berichtet - zu medizinischen Forschungszwecken, wie es hieß. Die Embryonen starben nach wenigen Zellteilungen ab. Ähnliches hatten Forscher aus Südkorea bereits 1998 verkündet, ohne jedoch einen Beweis vorzulegen.

Viele Experten lehnen die Herstellung von Klonmenschen ab, und auch Ian Wilmut, der "Schöpfer" des Klonschafes Dolly hat sich immer wieder dagegen ausgesprochen. Sie warnen jedoch davor, die Ankündigungen nicht ernst zu nehmen. "Es ist technisch möglich, in absehbarer Zeit einen Menschen zu klonen", sagt Prof. Heiner Niemann, Leiter des Bereichs Biotechnologie am Institut für Tierzucht und Tierverhalten der deutschen Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in Neustadt bei Hannover. "Man darf die Augen davor nicht verschließen."

Prof. Eckhard Wolf von der Ludwig-Maximilians-Universität in München verweist darauf, dass mindestens 50 Teams weltweit die zum Klonen grundlegende Technik einer speziellen Zellkernübertragung beherrschen. Für Dolly hatten Forscher das Erbgut aus der Euterzelle eines Schafs in eine zuvor entkernte Eizelle eines anderen Schafs gesetzt. Der so entstandene Embryo wurde von einem weiteren Schaf ausgetragen. Noch könne man im Vorfeld jedoch nicht einmal bei Rindern feststellen, welche der im Labor erzeugten Embryonen zu einem gesunden Tier heranwüchsen, gibt Wolf zu bedenken.

Hohe Zahl von Fehlversuchen

Niemann hält die vorgetragenen Klonpläne von Richard Seed, Panos Zavos und Severino Antinori oder der Raelianer-Sekte nicht für realistisch - auch wenn sich Frauen in den USA bereit erklärt haben, Eizellen dafür zu spenden. Er verweist auf die hohe Anzahl von Fehlversuchen bei Tieren. So waren für das Klonschaf Dolly noch 277 Versuche nötig.

Häufige Fehlgeburten eingeplant

Beim Klonen von Rindern werden laut Niemann häufig Fehlgeburten und erkrankte Tiere einkalkuliert, die unbefruchteten Eizellen kämen dutzendweise vom Schlachthof. Nur 14 bis 15 Prozent der erfolgreich geklonten Rinder-Embryonen werden zu lebenden Nachkommen, von denen einige zudem bald erkranken. Äußerst fraglich ist auch, welche Schäden Klontiere im Laufe ihres Lebens bekommen.

Klonmäuse sterben früher

Bei Dolly wurde kürzlich Arthritis im Hüft- und Kniegelenk festgestellt. Die Ursache ist zwar unbekannt, doch dieses Leiden sind in jedem Fall ungewöhnlich für ein knapp sechsjähriges Schaf. Dolly hat außerdem kürzere Enden des Erbmaterials (Telomere). Gerade diese spielen beim Altern eine Rolle. Bei Klon-Mäusen hingegen hatte US-Forscher längere Erbgutenden entdeckt. Ein japanisches Team wiederum hat - allerdings an wenigen Tieren - nachgewiesen, dass Klonmäuse früher sterben.

Die meisten Forscher sehen einen künftigen Nutzen der Klontechnik vor allem für die Medizin oder Tierzucht: Gentechnisch veränderte und geklonte Tiere sollen Wirkstoffe in der Milch produzieren oder Spenderorgane für Menschen bereitstellen. Auch besonders wertvolle Zuchttiere könnten vervielfältigt werden. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg. (APA)

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