Präsidentschafts- wahlen in Frankreich

21. Februar 2002, 09:59
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Staatsoberhaupt wird seit 1965 direkt vom Volk gewählt

Paris - Der französische Staatspräsident - der gegenwärtige, Jacques Chirac, ist der 22. - wird seit 1965 (auf der Grundlage der Verfassungsrevision von 1962) direkt vom Volk gewählt. Für den Wahlsieg ist die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen erforderlich. Diese wurde im ersten Wahlgang bisher noch nie erzielt. Die Entscheidung fällt dann zwei Wochen später in einer Stichwahl. Dabei stehen die beiden Bewerber zur Wahl, die im ersten Durchgang die meisten Stimmen bekommen haben. Bei der Wahl am 21. April und 5. Mai wird das Amt erstmals nur für fünf Jahre vergeben, da das Mandat durch eine Volksabstimmung im September 2000 um zwei Jahre verkürzt worden ist.

Im ersten Wahlgang stellen sich üblicherweise mehrere Kandidaten aus dem gleichen politischen Lager; danach beginnt das Werben der beiden Bestplatzierten um die Stimmen der abgeschlagenen Bewerber. Sieht man von der Wahl 1969 ab - damals standen sich in der zweiten Runde der Gaullist Georges Pompidou und der Zentrumsdemokrat Alain Poher gegenüber -, fiel die Entscheidung stets zwischen den Exponenten des rechten und des linken Lagers.

Jeder französische Bürger kann sich um das höchste Amt der Republik bewerben, wenn er älter als 23 Jahre ist und seine Kandidatur von mindestens 500 Mitgliedern gewählter Körperschaften unterstützt wird. Dabei handelt es sich um die beiden Parlamentskammern, die Regionalräte und die Generalräte der Departements, hinzu kommen die gewählten Bürgermeister.

Da durch das Wahlverfahren gesichert ist, dass der Präsident in jedem Fall mit absoluter Mehrheit gewählt wird, kann er für sich in Anspruch nehmen, der "Präsident aller Franzosen" und nicht nur der Repräsentant einer politischen Richtung zu sein. Eine Wiederwahl ist beliebig oft möglich. Der derzeitige Präsident Chirac hat eine volle Amtszeit von sieben Jahren hinter sich und kandidiert für seine Wiederwahl. Sein Vorgänger Francois Mitterrand ist mit 14 Jahren Rekordhalter. General Charles de Gaulle, der Vater der Fünften Republik, deren Verfassung mit der starken Stellung des Präsidenten auf ihn maßgeschneidert wurde, war zehn Jahre und drei Monate im Amt (1959-69).(APA)

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