Britische ISAF-Soldaten in Kabul erneut unter Beschuss

21. Februar 2002, 14:53
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CIA-Bericht warnt vor Chaos in Afghanistan - Kritik an Ausbleiben von Afghanistan-Hilfe

Kabul/Taschkent/Brüssel - Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage sind britische Soldaten der Afghanistan-Schutztruppe ISAF in Kabul von Unbekannten unter Beschuss genommen worden. Wie ein ISAF-Sprecher am Donnerstag mitteilte, ereignete sich der Vorfall am Vorabend während einer Routinekontrolle im Westen der Hauptstadt. Die britischen Soldaten hätten das Feuer erwidert, hieß es. Verletzt worden sei niemand. Im gleichen Sektor Kabuls waren am Samstag bei einem Schusswechsel mit britischen Soldaten ein Afghane getötet und fünf weitere verletzt worden. Nach ISAF-Angaben hatten Heckenschützen eine Patrouille der Schutztruppe angegriffen, die das Feuer erwiderte.

27 Luftabwehrraketen gefunden

Die US-geführte internationale Anti-Terror-Allianz entdeckte unterdessen in einem Versteck im Südosten Afghanistans 27 Luftabwehrraketen, die offenbar ihren Luftwaffenstützpunkt in Kandahar bedrohten. Nach US-Angaben handelte es sich um sowjetische und chinesische Boden-Luft-Raketen, die gegen die Luftwaffenbasis gerichtet waren. Die Waffen seien Anfang der Woche von einem Spezialkommando zerstört worden. Den Angaben zufolge hatten Bewohner der Region US-Soldaten auf das Versteck in der rund 100 Kilometer von Kandahar entfernten Ortschaft Tarin Kowt aufmerksam gemacht.

"Saat für einen Bürgerkrieg"

Angesichts bewaffneter Konflikte zwischen unterschiedlichen Volksgruppen warnte der US-Geheimdienst CIA nach Presseberichten vor einem Chaos in dem Land. Es gebe in Afghanistan "die Saat für einen Bürgerkrieg", zitierte die "New York Times" einen CIA-Beamten. Im Norden des Landes vereinbarten angeblich usbekische und tadschikische Gruppen, die sich in den letzten Wochen erbitterte Kämpfe geliefert hatten, eine Waffenruhe. Wie der tadschikische Kommandant Atta Mohammed am Donnerstag mitteilte, solle zunächst ein Inventar der Waffen erstellt werden. Anschließend sollten die Waffen freiwillig der Regierung übergeben werden.

Ausländische Taliban-Kämpfer sollen ausgewiesen werden

Die afghanischen Behörden wollen tausende ausländischer Taliban-Kämpfer ausweisen, wie der stellvertretende afghanische Verteidigungsminister Rashid Dostum am Donnerstag im Staatsfernsehen des benachbarten Usbekistan ankündigte. In Absprache mit der Übergangsregierung in Kabul sollten zunächst die gefangenen Taliban-Angehörigen aus dem Norden des Landes ausgewiesen werden. Nach Dostums Angaben sind allein im Gefängnis der Stadt Shibirgan fast 3500 Angehörige der Taliban und der Terrororganisation El Kaida inhaftiert, von denen mehr als drei Viertel Ausländer seien. Als Herkunftsländer nannte Dostum Pakistan, China und eine Reihe arabischer Staaten.

Jedes sechste Kind stark unterernährt

Im Norden Afghanistans hungern immer mehr Menschen, während die zugesagte Hilfe der internationalen Gemeinschaft ausbleibt, wie die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" (MSF) mitteilte. Jedes sechste Kind sei sehr stark unterernährt, sagte MSF-Direktor Christopher Stokes am Donnerstag in Brüssel. Im Norden Afghanistan entwickle sich eine Katastrophe, und die könne nur durch schnelle und uneingeschränkte Hilfe abgewendet werden, sagte Stokes. "Nach allem was wir wissen, kommen die Lebensmittel, die wir brauchen, um die Leute durchzubringen, in den abgelegenen Gebieten des Norden kaum an." Stokes beklagte, dass die internationalen Geber ihre Hilfszusagen nicht einhielten. "Wir sind zunehmend darüber frustriert", sagte er. Die Zusagen der Spitzenpolitiker und internationalen Organisationen hätten vielen Betroffenen bisher wenig gebracht.(APA/dpa/Reuters)

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