Premium-Briefe teurer und langsamer

22. Februar 2002, 09:40
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Streikdrohung wegen Umstrukturierung weiter aufrecht

Wien - Nach einem Test des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) kamen nur in sieben von 20 Fällen teurere Premien-Sendungen schneller beim Empfänger an als die günstigeren Standard-Briefsendungen der Post. Einmal erreichte die Premium-Sendung ihr Ziel um einen ganzen Tag später als der normal aufgegebene Brief. Das Service gibt es seit Herbst 2001. Ein Premium-Brief bis zu 20 Gramm ist samt Frankierung mit 1,96 Euro rund viermal so teuer wie ein normaler Brief, berichtet der VKI.

Kampfmaßnahmen

Unterdessen spitzt sich die Situation zwischen dem Post-Vorstand und der Belegschaftsvertretung zu. Am Freitag will der Zentralausschuss des Betriebsrates über gewerkschaftliche Kampfmaßnahmen abstimmen. Die Belegschaftsvertreter lehnen die geplante Neuaufteilung des Unternehmens in fünf Sparten Infomail (Werbesendungen), Mediendienste (Zeitungszustellung), Brief, Schalter und Kurier-Express-Paket-Dienste kategorisch ab. Zentralausschuss-Mitglied Martin Palensky sagte zum STANDARD: "Mit irgendwelchen Willenserklärungen des Vorstandes ist es nicht getan. Ich schließe keine Maßnahme aus, auch nicht die letztmögliche."

Die Belegschaftsvertreter bezweifeln, dass die einzelnen Sparten wirtschaftlich überlebensfähig sind und haben eine Rechnung präsentiert, wonach jährlich Mehrkosten von 250 Mio. EURO (3,44 Mrd. S) zu befürchten sind. Langfristig wären bis zu 11.000 Arbeitsplätze gefährdet. Nun soll die staatliche Wirtschaftskommission eingeschaltet werden, neuerliche Gespräche mit dem Vorstand lehnen die Post-Betriebsräte ab.

Post-Sprecher Michael Homola hofft dennoch, dass es "zu einer vernünftigen Lösung" kommt. Die Berechungen der Belegschaftsvertreter entbehrten aber jeder Grundlage, da bisher nur das Ziel Umstrukturierung definiert sei, nicht aber die nötigen Abläufe. "Solche Berechnungen sind derzeit also gar nicht möglich. Außerdem gehen wir klarerweise von einer Ergebnisverbesserung aus, sonst machten wir das ja nicht." (miba, DER STANDARD, Printausgabe 22.2.2002)

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