"Operetten Europas" vor dem Vorhang

20. Februar 2002, 20:44
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Das junge Regieteam des Volksopern- Jahresprojekts stellte sich vor

Wien - Als lebendig, aktuell und keineswegs verstaubt schilderte das Regieteam des Volksopern-Jahresprojekts "Operetten Europas" ihr Genre am Mittwoch bei einem Pressegespräch. Das Projekt soll zeigen, dass auch die Operette eine "europäische Idee" ist, so Volksopern-Direktor Dominique Mentha, und damit auf kultureller und politischer Ebene ein Gefühl der Gemeinsamkeit mit dem gleichzeitigen Bewusstsein der Verschiedenartigkeit und Vielfalt schaffen. Andererseits gehe es darum, den Bereich der Unterhaltung nicht dem Fernsehen zu überlassen, sondern ernst zu nehmen und ihr Niveau auf intellektueller, emotionaler und ästhetischer Ebene zu sichern.

Foto: APA/Tscharyiski
Emilio Sagi, Dominique Metha, Vera Nemirova und Katja Czellnik

Der Spanier Emilio Sagi, Spross einer alten Zarzuela-Sängerfamilie, von 1990 -1999 Leiter des Zarzuela Theater in Madrid und ab kommenden Herbst des Madrider Teatro Real, ist mit über 50 in der vierköpfigen Regie-Riege der Älteste. Seine Inszenierung von Amadeo Vives' "Die Generalin" (Premiere am 23.3.) soll "authentisch heutig" werden, so Mentha über die vom typisch gesellschaftskritischen Zarzuela-Humor gekennzeichnete, aber "europäisch ausgerichtete" Zarzuela, die nicht wie üblich in Spanien angesiedelt ist, sondern im britischen Oxford.

Matthias Schönfeldt, Jahrgang 1964, bringt am 4. Mai "Die Piraten von Penzance" von Gilbert & Sullivan heraus. Eine neue deutsche Übersetzung soll dem 1879 uraufgeführten Werk bzw. dem Komponistenduo, die im englischsprachigen Kulturkreis zu den meist aufgeführten zählen, auch hier zu Lande zu mehr Popularität verhelfen. Schönfeldts Leitfaden in Sachen Humor-Übersetzung sind dabei die Nonsens-Filmkomiker Monty Python.

In der nächsten Spielzeit (Premiere 19.10.) inszeniert Katja Czellnik "Si" (1917) - von Pietro Mascagni zwar als Operette bezeichnet, aber eigentlich, so die 35-jährige Hamburgerin, ein "absolutes Zeitstück" mit tragischem Ende, über den Konflikt zwischen Mensch und Maschine. "Der Text liest sich wie Horvath, die Musik schwankt zwischen Oper und Revue." Mascagni hat "Si" übrigens 1925 selbst am Wiener Bürgertheater dirigiert, weitere Vorstellungen fanden dann auch in der Volksoper und Staatsoper statt. Zur Eröffnung der kommenden Saison findet eine Einführungs-Matinee zu "Si" mit Marcel Prawy statt.

Den wohl schwierigsten Auftrag, was die Erwartungshaltung des Wiener Publikums betrifft, hat wohl Vera Nemirova, noch keine 30, mit "Gräfin Mariza" (Premiere 15.12.). Die gebürtige Bulgarin, die unter anderem mehrmals mit Peter Konwitschny zusammen gearbeitet hat, will nicht zuletzt den Ort der Handlung, den Osten Europas, "sehr ernst" nehmen. Sie stellt unter anderem die Frage nach der gesellschaftlichen Bedeutung von Kitsch und betont das "subversive Potenzial", das die Lebenslust und kollektive Sehnsucht der Operette für sie darstellen.

Als ideelle Unterstützer von "Operetten Europas" konnte Mentha ein Proponenten-Komitee von Persönlichkeiten aus Kunst, Wirtschaft und Politik präsentieren. Rundherum gibt es eine Reihe von Rahmenveranstaltungen, insbesondere eine Kooperation mit dem RadioKulturhaus. Den Auftakt macht dort am Mittwoch, den 27.2., ein Abend zum "Bettelstudent" mit Mentha und Christian Wagner-Trenkwitz. (APA)

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