Die Komponenten von ENVISAT

28. Februar 2002, 10:05
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Zehn "Augen" beobachten den Zustand der Erde

Wien - Sobald der europäische Umweltsatellit ENVISAT nach dem Start in der Nacht auf den 1. März seine Umlaufbahn erreicht hat, werden aus 800 Kilometern Höhe zehn "Augen" den Zustand der Erde und den Einfluss des Menschen auf den Planeten beobachten. Stündlich werden zehn Instrumente Daten in der Größenordnung des Festplattenvolumens von 20 Heim-Computern sammeln. Im Folgenden eine Übersicht über die wissenschaftlichen Instrumente des Satelliten und eine Auswahl ihrer Aufgaben:

ASAR - Advanced Synthetic Aperture Radar: Misst mit Hilfe von Radarstrahlen - auch bei Nacht oder bei Bewölkung - die Oberflächenform und die Beschaffenheit der Erdoberfläche auf wenige Zentimeter genau, bildet Eis- und Wellenformationen ab und erkennt Gewässerverschmutzung ebenso wie Landnutzung und Wachstumsformen.

MERIS - Medium Resolution Imaging Spectrometer: Bestimmt die "Farbe" des Meeres und der Küstengewässer, die deren biologischen Zustand anzeigt, beziffert die Menge Chlorophyll insgesamt, aus der sich die pflanzliche Biomasse auf der Erde schätzen lässt, erkennt Pflanzen in ihren verschiedenen Wachstumsphasen, beobachtet die Wolkenbildung und ermittelt die Luftfeuchtigkeit in der Atmosphäre.

RA-2 und MWR - Radar Altimeter 2 und Microwave Radiometer: Lotet die Höhe des Satelliten über Grund mit einer Genauigkeit von 4,5 Zentimeter aus (von 800 Kilometer Höhe). In Verbindung der RA-2-Aufzeichnungen mit den Umlaufbahndaten des DORIS-Instruments (siehe unten, Anm.) entstehen Oberflächenkarten des Meeresgrunds bzw. der von Eis bedeckten Gesteinsschichten an den Polen. Weitere Auswertungen ergeben die Wellenhöhen und Windparameter auf hoher See. Das MWR berichtigt eventuelle Ungenauigkeiten der RA-2-Messungen, die durch die Luftfeuchtigkeit entstehen.

GOMOS - Global Ozone Monitoring by Occultation of Stars: Nimmt Sterne ins Visier, die über dem Horizont aufgehen und misst deren Lichtspektrum durch die Atmosphäre hindurch. Das Instrument kann dadurch die Menge an Wasserdampf und Ozon durch alle Höhenstufen der Atmosphäre hindurch bestimmen (20-100 Kilometer).

MIPAS - Michelson Interferometer für Passive Atmospheric Sounding: Beobachtet die Atmosphäre im Infrarot-Bereich und zeichnet Spurengase nach Typus auf. Das Instrument kann Industrieabgase und Treibhausgase erkennen und die Zusammensetzung der Luftschichten bestimmen.

AATSR - Advanced Along-Track Scanning Radiometer: Tastet die Oberfläche von Landmassen und Ozeanen im sichtbaren und infraroten Licht ab und bestimmt deren Oberflächentemperatur auf bis zu 0,3 Grad Celsius genau. Kann so z.B. Waldbrände an der Hitzeentwicklung erkennen.

DORIS (Doppler Orbitography und Radiopositioning Integrated by Satellite und Laser-Retroreflector) und Laser Retro-reflector: Vermisst die exakte Position des Satelliten auf seiner Umlaufbahn auf 4,5 Zentimeter und die Umlaufgeschwindigkeit auf 1,4 Kilometer pro Stunde genau. Verbessert die Radar-Messungen der Meereshöhe, Schwerkraftfelder und Oberflächenprofile an Land. Ein Laser-Reflektor erlaubt Lagekorrekturen vom Boden aus sowie die regelmäßige Eichung der Instrumente DORIS und RA-2.

SCIAMACHY - Scanning Imaging Absorption Spectrometer for Atmospheric Chartography: Durchsicht die Atmosphäre nach Spurengasen, Ozon und ähnlichen Verbindungen sowie nach Wolken und Staubteilchen. Bestimmt die Gesamtmenge der Gase und zeigt sie in den einzelnen Höhenschichten. SCIAMACHY ist ein vielseitiges Instrument für alle Fragen der Luftzusammensetzung und der Folgen von Waldbränden, Industrieabgasen, Staubstürmen und Vulkanausbrüchen. (APA)

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