Herzl-Zitat beschäftigt Salzburger Landtag

20. Februar 2002, 21:13
posten

Grüne fordern neue Gedenktafel mit vollständigem Text

Salzburg - Die umstrittene Gedenktafel, welche an die Salzburger Jahre des Begründers des Zionismus Theodor Herzl erinnern soll, beschäftigt nun auch den Salzburger Landtag. Die Grünen beantragen, das Land solle die am Neugebäude der Residenz angebrachte Tafel entfernen und durch eine neue ersetzen.

Anlass ist ein Antrag der SP zum "bewussten und wahrheitsgetreuen Umgang mit dem geschichtlichen Erbe". Wie vom STANDARD berichtet, steht derzeit der Tagebucheintrag Herzls "In Salzburg brachte ich einige der glücklichsten Stunden meines Lebens zu", auf der Marmortafel zu lesen.

Der Münchener Aktionskünstler Wolfram Kastner hatte vergangenes Jahr den Satz handschriftlich vervollständigt: "Ich wäre auch gerne in dieser schönen Stadt geblieben, aber als Jude wäre ich nie zur Stellung eines Richters befördert worden", notierte Theodor Herzl über sein am Salzburger Landesgericht absolviertes Rechtsreferendariat nämlich weiter. Diese künstlerische Aktion hatte Kastner eine Anzeige wegen schwerer Sachbeschädigung eingebracht.

In einem weiteren Antrag verlangt die Grün-Abgeordnete Heidi Reiter vom ressortzuständigen Landeshauptmannstellvertreter Wolfgang Eisl (VP) daher, dass das Land die Anzeige gegen Kastner zurückzieht, da dieser einen "wesentlichen Beitrag zur Geschichtsbewältigung" geleistet habe. (neu, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 21.2.2002)

Share if you care.