Gipfeltreffen für die "Geschichtsbücher"

21. Februar 2002, 08:48
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Der Besuch des US-Präsidenten in China erinnert an die historische China-Reise Richard Nixons am 22. Februar 1972

Die Pekinger Führung lässt mit einer Propagandakampagne ihre Bevölkerung auf ein Gipfeltreffen mit US-Präsident George W. Bush am Donnerstag und Freitag einstimmen, das in die "Geschichtsbücher" eingehen soll. Der nur 30-stündige Arbeitsbesuch wird unter dem Motto des "weiteren Ausbaus von konstruktiven Beziehungen" stehen, kündigten Chinas Zeitungen an. Sie erinnerten an den Februar 1972, als Richard Nixon als erster US-Präsident eine China-Reise unternahm, "die die Welt veränderte" und eine 22-jährige Feindschaft beendete.

Für Peking, das vor einem schweren innenpolitischen Jahr mit dem Generationswechsel seiner politischen Führung steht, mit den Folgen seiner WTO-Mitgliedschaft und Wachstumsproblemen fertig werden muss, kommt der Besuch gelegen. Die USA, die mit ihren Investitionen im Reich der Mitte weltweit an erster Stelle und im Handel an zweiter Stelle stellt, wollten China nicht mehr als strategischen Konkurrenten, sondern als Partner betrachten.

Allein das rechtfertigt in Pekings Augen, dass sich die beiden Präsidenten nach vier Monaten erneut treffen. Im Oktober 2001 kamen sie in Schanghai zur Apec-Konferenz zusammen. Damals hatte Bush China nach dem 11. September erstmals wieder eine "verbündete Macht" genannt und es unter die "globale Allianz gegen den Terrorismus" eingereiht.

Chinas Medien veröffentlichten Interviews mit Bush, wonach er an der Ein-China-Politik festhält, aber auf einer friedlichen Lösung besteht. "Taiwan ist ein heikles Problem, aber nicht so sensibel, dass man darüber nicht einen offenen Dialog führen kann" so Bush.

Der US-Präsident verspricht sich von Peking neue Unterstützung für den Kampf gegen den Terrorismus. Die USA erwarten dabei, dass Peking sich aktiver im UN-Sicherheitsrat für Druck auf den Irak und auf Nordkorea einsetzen. Vor allem wollen sie Zusicherungen hören, dass Peking die Verbreitung von Massenvernichtungsmitteln an Krisenländer verhindert.

Von "bushi" zu "Bushi"

Kritik am neuen Schmusekurs Chinas gegenüber den USA kommt öffentlich nur im Internet vor. Dort finden antiamerikanische Beiträge die Plattform, die ihnen die Medien versagen. "Wirkliche Freunde können China und die USA erst nach 20.000 Jahren werden" höhnen Internetzuschriften. In Wortspielen verballhornen sie den Namen Bush als "Busi" (stirbt nicht), "Bushi" (Mist aus Stoff) oder "bushi" (unhistorisch). (DER STANDARD, Print vom 21.2.2002)

Von Johnny Erling aus Peking
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