Vom Hijacker zum Pazifisten

20. Februar 2002, 18:49
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Hashim Qureshi gilt für manche als Heiliger

Srinagar - Von den von Pakistan gesponserten Separatisten hat er sich total losgesagt, die Regierung in Delhi liebt ihn deswegen aber noch lange nicht: Hashim Qureshi hat als noch nicht 18-Jähriger 1971 eine indische Verkehrsmaschine nach Pakistan entführt, sie dort in die Luft gejagt und - nach schweren Folterungen, sagt er - "gestanden", dass ihn der indische Geheimdienst dazu angestiftet hatte.

In jahrelangen Gefängnisaufenthalten hat er sich zur Gewaltlosigkeit bekehrt, schreibt nun als Chef seiner JKDLP (Jammu & Kaschmir Democratic Liberation Party) Aufrufe `a la "Die Waffen nieder" und ist damit ein echter Außenseiter in der kaschmirischen Politszene: Manche halten ihn für einen Heiligen, andere für nur besonders raffiniert. Aber er ist einer der wenigen, der sich auch des "Umweltterrorismus" annimmt - der Dal See bei Srinagar droht zu kippen und die kaschmirischen Wälder fallen der Profitgier zum Opfer - und die Situation der Frauen thematisiert, von denen auch viele Angst vor dem fundamentalistischen Islam haben.

Qureshi ist Gründer der MNWA (Maqbool National Welfare Association, benannt nach seinem Mit-Terroristen 1971), in der Frauen Hilfe zur Selbsthilfe für Frauen - speziell für Witwen und Waisen, deren Männer von Militanten oder von der Armee getötet wurden - organisieren. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 21.2.2002)

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