Spanische Paprika "eingebürgert"

21. Februar 2002, 10:45
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Global 2000: Pestizid-Gemüse als österreichische Produkte verkauft

Wien - Einige österreichische Lebensmittelhändler reagierten jetzt auf die jüngsten Standard-Berichte über spanische "Pestizid-Paprika". Allerdings auf eine Weise, die demnächst die Justiz beschäftigen könnte. Sie machten aus den - wegen der Giftbelastung momentan eher gemiedenen - "Paprika aus Spanien" kurzerhand "Paprika aus Österreich", wie Mitglieder der Umweltorganisation Global 2000 bei einem Lokalaugenschein in Wiener Supermärkten entdeckten und fotograhisch dokumentierten. Global 2000 wird die Etiketten-Täuschung zur Anzeige bringen, zumal ein Filialleiter zugegeben habe, dass die "österreichischen Paprika" in Wirklichkeit in spanischen Folientunneln gereift seien.

Der Gartenbaureferent der Landwirtschaftkammer im südlichen Bundesland Steiermark, Josef Weber, kommt ob des Gedankens an "österreichische Paprika im Februar" leicht ins Schmunzeln. Gruber: "Sogar jene Bauern, die über Heizanlagen verfügen, fangen erst in ein paar Wochen mit den Pflanzungen an. Die ersten wirklich österreichischen Paprika kommen frühestens ab Mai in den Handeln." Heimische Paprika gebe es gegenwärtig "höchstens in Gemüsedosen".

Global-2000-Mediziner Klaus Kastenhofen zeigt sich einigermaßen entrüstet über jene Händler, die das Paprikaka-Problem mit einer Umetikettierung zu lösen versuchten: "Nachdem wir bei Tests von spanischen Paprika einen Giftcocktail von bis zu acht Pestiziden in einer Probe festgestellt hatten, versuchen Handelsketten jetzt anscheinend die Konsumenten bewusst zu täuschen." (Walter Müller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.2.2002)

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