Kolumbien setzt Friedensprozess mit FARC-Rebellen aus

20. Februar 2002, 20:55
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Bogota macht FARC für Flugzeugentführung verantwortlich

Bogota - Kolumbianische Rebellen haben ein Passagierflugzeug entführt und zur Landung auf einer Straße im Süden des Landes gezwungen. An Bord der Maschine der kolumbianischen Fluggesellschaft Aires befänden sich 37 Passagiere, sagte Luftwaffenchef Gonzalo Morales am Mittwoch. Nach seinen Angaben war auch der Oppositionssenator Jorge Eduardo Gechen an Bord. Es gebe unbestätigte Berichte, wonach die Entführer mit drei Passagieren entkommen und die übrigen in der Maschine zurückgelassen hätten. Morales machte die marxistischen Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) für die Entführung verantwortlich. Ein Sprecher der Gruppe wies dies jedoch zurück. Der kolumbianische Präsident Andrés Pastrana rief die Minister zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen.

FARC-Sprecher Raul Reyes dementierte jedoch, dass seine Organisation etwas mit der Entführung zu tun habe. "Wir haben keine Informationen darüber", wurde Reyes zitiert. Die FARC haben sich in der Vergangenheit in verschiedenen Fällen erst Monate nach Entführungen zu den Taten bekannt. Die größte Rebellengruppe des Landes hatte trotz laufender Verhandlungen über einen Waffenstillstand vor mehr als einem Monat eine Offensive gegen die Regierungstruppen begonnen, bei der bisher Hunderte von Menschen getötet oder verwundet wurden.

Die Propellermaschine vom Typ Fokker der Gesellschaft AIRES habe sich auf dem Weg von Neiva, der Hauptstadt der südwestlichen Provinz Huila, nach Bogota befunden. Sie stand nach Angaben des Militärs mit den restlichen Passagieren und Besatzungsmitgliedern etwa 280 Kilometer südwestlich der Hauptstadt nahe der Gemeinde Hobo.

In dieser Region sind die FARC die vorherrschende Guerillagruppe. Dort sind aber auch rechte Paramilitärs sowie das an Kuba orientierte "Nationale Befreiungsheer" (ELN) aktiv. Das ELN hatte 1999 bei einer ähnlichen Aktion 46 Insassen einer entführten Maschine verschleppt und zum Teil erst nach Jahren wieder frei gelassen.

Am Vortag hatte das Militär mitgeteilt, dass bei Kämpfen mindestens 20 Mitglieder der FARC getötet worden seien. Die Rebellen hätten eine Kaserne und mehrere Stationen zur Übertragung von Telefongesprächen angegriffen. Die Angriffe vom Montagabend seien zurückgeschlagen worden, sagte ein Sprecher weiter.

Friedensprozess auf Eis gelegt

Nach der Entführung einer Passagiermaschine durch mutmaßliche Rebellen hat die kolumbianische Regierung den Friedensprozess auf Eis gelegt. Dies teilte ein Berater von Präsident Andres Pastrana am Mittwoch in Bogota mit. Er sagte zunächst nicht, ob die Entscheidung endgültig sei. Die Regierung hatte die wichtigste Rebellengruppe des Landes, die marxistischen Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC), für die Entführung verantwortlich gemacht. Dabei wurde offenbar ein mitreisender Senator der liberalen Opposition aus dem südlichen Departamento Huila und ein weiterer Passagier verschleppt. Hintergründe und Forderungen der Luftpiraten waren zunächst noch unklar.

Der Regierungsbeauftragte für den Friedensprozess, Camilo Gomez, hatte bereits einen geplanten Besuch in der entmilitarisierten Zone im Süden des Landes abgesagt, wo er mit FARC-Führern über einen Waffenstillstand verhandeln wollte. Erst vor einem Monat hatte sich die FARC mit Unterhändlern der Regierung darauf geeinigt, Anfang April ein Waffenstillstandsabkommen zu unterzeichnen. (APA/dpa)

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