Hot Spot unter dem französischen Zentralmassiv

23. Februar 2002, 11:00
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In 270 Kilometer Tiefe schlummert eine schlotartige Aufschmelzung - 5.000 Jahre lang hat sie sich nicht geregt

Wien - Das Zentralmassiv - auch Zentralplateau und französisch Massif Central genannt - ist nicht nur das ausgedehnteste Gebirge Frankreichs, es enthält auch die jüngsten und besterhaltenen Vulkane des europäischen Festlandes. Ursache für den Vulkanismus ist ein so genannter Hot Spot - ein schlotartig aufsteigender Bereich von heißem, geschmolzenen Gestein im Erdmantel.

Das Gebirge in Zentralfrankreich ist Teil des westeuropäischen Grabensystems, das vom Oslo-Nordsee-Graben über den Rhein-Graben bis zum Rhone-Graben reicht. Wie auch im geologisch etwa gleich alten Grabensystem in Ostafrika kommt es in den Grabensystemen zu Bewegungen der Kontinentalplatten gegeneinander. Entsprechend häufig sind im Verlauf solcher Gräben Erdbeben und Vulkanismus zu beobachten. Im Gegensatz zum ostafrikanischen Graben ist das westeuropäische Grabensystem aber verhältnismäßig ruhig.

Cantal

Aus vulkanologischer Sicht gilt der Cantal als bedeutendster Berg des Zentralmassivs. Er war von vor neun Millionen bis vor drei Millionen Jahren aktiv, seine Grundfläche ist fast doppelt so groß wie die des Ätna auf Sizilien. Heute ist der Cantal weitgehend verwittert und deshalb keine große Sehenswürdigkeit mehr. Ein beliebtes Ziel für Touristen ist dagegen der Puy de Dome (1.465 Meter) in der Gebirgskette Chaine des Puys. Bemerkenswert ist seine Form, er besitzt eine so genannte Quell- oder Staukuppe, welche aus einem geologisch älteren Schlackenkegel gequollen ist.

Vor rund 5.000 Jahren fand der Vulkanismus im Zentralmassiv sein - vorläufiges - Ende. Damals gab es noch Ausbrüche des Puy de Montcineyre und des Puy de Montchal. Neben den mehr oder weniger verwitterten Vulkankratern zeugen auch die so genannten Maare für den Vulkanismus des Gebietes. Maare sind mehr oder weniger abgesoffene Vulkantrichter, auch in der deutschen Eifel sind bekannte Exemplare dieser meist kreisrunden Seen zu sehen.

Aktivitäten heute

Zur Zeit gibt es weltweit 550 bis 600 tätige Vulkane, wobei solche als tätig angesehen werden, von denen Ausbrüche oder wenigstens Aktivitäten in historischer Zeit bekannt sind. Die Einteilung der Feuerberge erfolgt meist nach der chemischen Zusammensetzung des Auswurfes. Im Erdinneren wird dieses Material Magma genannt, nach dem Verlassen des Vulkanschlotes heißt es Lava. Der Hauptbestandteil ist Kieselsäure.

Basisches Magma hat einen Anteil an Kieselsäure unter 50 Prozent und schmilzt bei 1.000 Grad. Es ist mit 1.100 bis 1.250 Grad relativ heiß, entsprechend dünnflüssig und gelangt bei einem Ausbruch relativ leicht durch den Vulkanschlot an die Oberfläche. Vorhandene Gase können gut und in kleinen Portionen entweichen, heftige Explosionen kommen daher bei einem solchen so genannten effusiven Ausbruch mit basischem Magma kaum vor.

Lava und Magma

Es entstehen dünnflüssige, weit fließende Lavaströme, die entstehenden Vulkanberge sind meist flache Kegel. Als längster bekannter Lavastrom gilt der 65 bis 70 Kilometer lange Fluss aus geschmolzenem Gestein, der nach einem Ausbruch des Laki auf Island im Jahr 1783 entstand. Effusive Vulkane finden sich meist dort, wo Kontinentalplatten auseinander driften, etwa auf dem mittelozeanischen Rücken oder im afrikanischen Grabenbruch. Als typisch gelten die Feuerberge auf Hawaii oder Island.

Im Gegensatz dazu ist das Magma beim explosiven Vulkan-Typ sauer, es enthält rund 65 Prozent Kieselsäure. Durch den höheren Schmelzpunkt und die niedrigeren Temperaturen von rund 700 bis 1.000 Grad ist das Material zähflüssig. Der Vulkanschlot neigt dadurch zum Verstopfen, es baut sich Druck auf, der schließlich in einer mehr oder weniger spektakulären Explosion entweicht. Dabei gelangen Asche, Staub, Gase und sogar Gestein in große Höhen.

Ring of Fire

Saure Magmen und somit explosive Vulkane entstehen typischerweise dort, wo Oberflächenmaterial der Erdkruste durch die Kontinentalverschiebung in die Tiefe gedrückt wird und dort aufschmilzt. Die Sprengkraft von explosiven Vulkanen wird noch weiter gesteigert, wenn Wasser ins Spiel kommt, indem sich etwa eine ozeanische Kruste und eine Kontinentalkruste ineinander schieben. Wasser hat die Eigenschaft, sich enorm auszudehnen. Wenn es gasförmig wird, so entstehen aus einem Liter Wasser 1.244 Liter Dampf. Vulkane des explosiven Typs finden sich etwa entlang eines Gürtels rings um den Pazifik. Dieser Gürtel wird auf Grund seiner zahlreichen Vulkane auch Ring of Fire genannt.(APA)

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