Forstinger, eine außergewöhnliche Frau

20. Februar 2002, 19:01
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Die Verantwortung für ihre Pleite trifft aber auch noch andere

Monika Forstinger geht als Infrastrukturministerin. Wohin weiß eigentlich niemand und sie selbst schweigt sich über ihre berufliche Zukunft aus. Ihre Bilanz als Ministerin fällt eher mager aus. FPÖ-Parteischefin Susanne Riess-Passer entblödet sich nicht, die Leistungen der Öberösterreicherin urplötzlich schön zu reden: Wenn das "blaue Urgestein" Forstinger so toll war, warum lässt Riess-Passer sie gehen??

Bei aller grundsätzlich möglichen Kritik an den Medien darf nicht vergessen werden: Es gab kaum eine Politikerin in Österreich mit so einem großen Vertrauensvorschuss wie Forstinger. Tüchtig sei sie und sehr charmant, sagten alle, die sie kannten. Eine gute Verhandlerin, meinten einige Herrn aus der Papierindustrie. Und fesch, ja fesch sei sie obendrein. Von den heimischen Medien wurde die "blaue" Ministerin ziemlich galant empfangen und die von ihr erbetene Schonfrist von 100 Tagen bekam sie ebenfalls.

Bei aller berechtigten Kritik an der schlechten Performance der Ministerin müssen auch jene zur Verantwortung gezogen werden, die Forstinger zur Ministerin machten: die FPÖ, egal ob es Riess-Passer persönlich war, Haiders Schwester Ursula Haubner, der Zweite Nationalratspräsident Thomas Prinzhorn oder ihre früherer Arbeitgeber und jetzige Chef der Verstaatlichten-Holdling Alfred Heinzel. (Wahrscheinlich wird's jetzt niemand gewesen sein.)

Sie machten eine Frau zur Ministerin, die nicht die mindesten Voraussetzung für dieses Amt mitbrachte: Kaum Erfahrung mit Menschenführung. Als Landtagsabgeordnete eine politisches Leichtgewicht, ohne Hausmacht und Regierungserfahrung. Kaum Fachkenntnisse in den komplexen Materien dieses Monsterministeriums, wo es um volkswirtschaftlich wichtige und kniffelige Probleme geht, um den Bau, Bahn, Straßen, Telekom undsoweiterundsoweiter. Einen derartig unvorbereiteten Menschen auf so eine wichtige Position zu hieven war ein Risiko sondergleichen. Und es hat nichts mit Mann oder Frau zu tun.

Vorzuwerfen ist Frau Forstinger nur, dass sie in maßloser Selbstüberschätzung ihrer Fähigkeiten und in Kenntnis ihrer Defizite diesen Job überhaupt akzeptiert hat. In dieser Hinsicht ist sie tatsächlich eine außergewöhnliche Frau.

20.2.2002
Von Lydia Ninz
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