US-Medienlandschaft vorm Umbruch ...

21. Februar 2002, 11:18
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"Cross-Ownership"- Regelung fällt - Große Medienunternehmen könnten regionale Kabelnetzwerke und TV-Stationen übernehmen

Das Urteil eines Berufungsgerichts in Washington könnte zu einer grundlegenden Veränderung der US-Medienlandschaft führen. Wie die "New York Times" (NYT) am Mittwoch berichtet, hat das Gericht durch sein Urteil großen Medienunternehmen den Weg für die Übernahme zahlreicher lokaler und regionaler Kabelnetzwerke und TV-Stationen geebnet.

"Cross-Ownership"-Regelung fällt

Bisher hatte die so genannte "Cross-Ownership"-Regelung gegolten. Kabelbetreibern war es nicht erlaubt im selben Markt gleichzeitig einen terrestrischen Fernsehsender zu betreiben und umgekehrt. Nach dem Fall dieser Regelung könnten sich die großen Medienkonzerne dazu aufgefordert fühlen, im neu eröffneten Mediensupermarkt der US-Regionen auf Einkaufsbummel zu gehen.

Die "Big Player" freuen sich ...

Das Urteil wurde von den großen Playern am US-Medienmarkt begrüßt. Konzerne wie Viacom mit dem Sender CBS, News Corp. mit Fox, Disney mit ABC und AOL Time Warner als Eigentümer des zweitgrößten Kabelnetzwerkes in den USA sehen die Chance neue Märkte zu erschließen. Viele der profitablen Rundfunkstationen und Kabelnetzwerke sind bereits im Besitz eines großen Konzerns.

... die Kleinen sehen schwarz - Programmvielfalt gefährdet

Es gibt aber in den USA immer noch viele kleinere und mittlere Sender bzw. Kabelbetreiber wie z.B. die Belo Corporation, Meredith und Scripps-Howard. Andrew J. Schwartzman, Präsident des Media Access Project , das sich für die Vielfalt des Rundfunks einsetzt, sieht schwarz für die US-Medienlandschaft: "Das ist ein schreckliches Urteil für die Vielfalt der Perspektiven im Allgemeinen, für die Programmvielfalt im Speziellen." Seine Gruppe werde das Urteil nötigenfalls bis zum Supreme Court bekämpfen.

Regionalsender als Appetithäppchen auf dem Tablett der großen Fische

Den größten Nutzen sieht die NYT für die großen Kabelnetzbetreiber. AOL Time Warner hat 12,8 Mio. Kabelkunden. Der größte Markt des Unternehmens ist New York City, gefolgt von Tampa und Orlando in Florida sowie Houston, Texas. Derzeit besitzt AOL Time Warner nur einen terrestrischen Fernsehsender, weil es dem Kabelgiganten bisher nicht erlaubt war, in diesen Märkten auch TV-Stationen zu erwerben. Falls das Urteil in der nächsten Instanz nicht aufgehoben wird, liegen kleine Regionalsender als Appetithäppchen auf dem Tablett der großen Fische.

In anderen Bereichen hat des Berufungsgericht den Fall an die US-Medienaufsichtsbehörde FCC zurück verwiesen. Die Behörde ist unter der konservativen Führung von Michael Powell eher zu einer Lockerung der bisher strengen medienrechtlichen Regelungen bereit. Die Clinton-Administration trat für eine strengere Regulierung der Besitzverhältnisse bei Medienunternehmen ein. (pte)

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