Milosevic-Prozess gerät ins Stocken

21. Februar 2002, 11:23
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Zeuge der Anklage lehnt zu Verhandlungsbeginn Befragung durch Ex-Präsidenten ab

Belgrad/Den Haag - Der Prozess gegen den früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ist am Donnerstag etwas ins Stocken geraten. Agim Zeqiri lehnte es zu Verhandlungsbeginn ab, weitere Fragen des Angeklagten zu beantworten.Der 49-jährige Bauer, der von einer Dialyse abhängig ist, erklärte dies mit Gesundheitsproblemen. Sie sollen eine Folge der brutalen Misshandlung durch jugoslawische Sicherheitskräfte im März 1999 sein. Der Kosovo-Albaner hatte am Mittwoch vor dem Tribunal die Vertreibungsaktionen der jugoslawischen Polizei und des Militärs in seinem Heimatdorf Celina zu Beginn der NATO-Luftangriffe beschrieben.

Milosevic kommentierte die Entscheidung, dass Zeqiri keine weitere Fragen beantworten muss, auf seine Weise: Die Anklage wolle den erfolglosen Zeugen in Schutz nehmen. Die Pflichtanwälte und Milosevic legten zu Beginn der heutigen Verhandlung Einspruch wegen angeblich ungenauer Übersetzung der Aussage Zeqiris am Mittwoch ein. Demnach soll Zeqiri erklärt haben, den UCK-Angehörigen "Gastfreundschaft" geboten zu haben, was allerdings mit "Hilfe an die UCK" übersetzt wurde. Eine Aufforderung von Milosevic an Zeqiri, den umstrittenen Satz, den der Ex-Präsident in albanischer Sprache wiederholte, blieb unbeantwortet. Das Tribunal wird sich anhand eines Beschlusses von Richter Richard May die Tonbandaufnahme der strittigen Zeugenaussage erneut anhören.

Bevor vor dem Tribunal ein weiterer Zeuge der Geschehnisse im Kosovo, der 62-jährige Fehim Jashani aus dem Dorf Nogavac bei Orahovac erschien, wiederholte Milosevic die Forderung nach der Einvernahme aller Zeugen, deren Aussagen in schriftlicher Form dem Tribunal vorgelegt werden sollen. "Ich will keine schriftlichen Aussagen anerkennen", sagte er.(APA)

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