Schwarzer übt Kritik an Islamismus und Houellebecq

20. Februar 2002, 18:50
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Besonderer Schutz von religiösen Vereinigungen in Deutschland sei Schutzschild für "antidemokratische Umtriebe"

Wien - Alice Schwarzer, Deutschlands populärste Frauenrechtlerin, mobilisiert gegen den Islamismus. In einem Interview für die am Donnerstag erscheinende Ausgabe des Wochenmagazins NEWS begrüßt sie die Einschränkung der Religionsfreiheit durch Innenminister Schily und fordert Maßnahmen gegen den Iran und Saudi-Arabien. Anlass für das Interview ist das bevorstehende Erscheinen ihres Buches "Die Gotteskrieger und die falsche Toleranz".

Hinsichtlich der Vorgehensweise der Islamisten meinte Schwarzer: "Auf ihrer schwarzen Liste stehen zwar nicht zufällig als erstes die Frauen. Aber ihnen folgen die Juden, die Intellektuellen, die Künstler - und dann überhaupt jede und jeder, der ihnen von diesen selbsternannten Stellvertretern Allahs nicht passt.(...) In Deutschland hatten wir bisher einen gesetzlich besonders verankerten Schutz der religiösen Vereinigungen - den Innenminister Schily dankenswerterweise jetzt eingeschränkt hat. Denn die westliche Glaubensfreiheit ist in den Händen der Islamisten längst zum Schutzschild für ihre antidemokratischen Umtriebe verkommen. In den Koranschulen in Deutschland, die in der Türkei zu recht verboten sind, wird Hass und Intoleranz, wird die Abschaffung der Demokratie und die Einführung eines Gottesstaates gelehrt. In den meisten Moscheen ist es nicht anders."

Weiters prangerte Schwarzer die Angriffe auf Afghanistan als Scheinheiligkeit an, da alle wüßten, "dass Saudi-Arabien seit Jahrzehnten den Terror finanziert und der Iran die Terroristen, also auch die Al-Qaida-Kämpfer, ausbildet. Die Taliban haben sich in Pakistan formiert. Statt das hungernde und frierende Afghanistan sinnlos zu bombardieren, hätte man also diese Staaten zur Verantwortung ziehen müssen, um an die Wurzeln des Übels zu gehen". Dies würde jedoch strategisch nicht ins Kalkül passen, und so würde lächelnd mit ihnen verhandelt werden. "Ob ein Staatschef mit den Herren der westlichen Welt in die Blitzlichgewitter der internationalen Presse lächelt oder aber auf der Anklagebank in Den Haag sitzt, das ist ja - leider! - keine Frage der Moral, sondern eine Frage der Macht."

Keine Verwandtschaft mit Tabu-Brecher Houellebecq

Keinerlei Solidarität lässt Alice Schwarzer im Zusammenhang mit dem Islam-Kritiker und Bestseller-Autor Michel Houellebecq aufkommen: "Ich prophezeie diesem ewigen Jüngling, dass er seine geistige Heimat in nicht allzu weiter Ferne im fundamentalistischen Christentum finden wird - das aber wird den von Houellebecq so hochgepriesenen Sextourismus des weißen Mannes in die Länder der käuflichen Körper und Seelen armer Frauen und Kinder nicht minder missbilligen. Es ist darum nicht ohne Komik, wenn ausgerechnet einer wie er aus seinem trüben Glashaus mit Steinen wirft. Nicht weil man dieselben Feinde hat, hat man auch dieselben Ziele. Mich verbindet mit dem frustrierten Weltekel der Houellebecqs dieser Welt so wenig wie mit der bornierten Weltbeglückung der Fundamentalisten." (red)

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