Peres: Palästinenser-Staat längst überfällig

20. Februar 2002, 14:58
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"Es war ein Fehler, den Palästinenser nicht schon vor Jahren die Unabhängigkeit gegeben zu haben"

Madrid - Es sei ein Fehler Israels gewesen, den Palästinensern nicht schon längst die staatliche Unabhängigkeit zugestanden zu haben, erklärte Außenminister Shimon Peres in einem Interview für die spanische Tageszeitung "El Mundo" (Mittwoch-Ausgabe). Er bedauere, dass man ihnen im Osloer Friedensabkommen nur "80 Prozent Unabhängigkeit" zugesprochen habe. "Das war ein Fehler. Hätten die Palästinenser schon damals ihre Unabhängigkeit erhalten, wäre alles ganz anders gekommen", sagte der Friedensnobelpreisträger.

Der Erfolg seines Planes, den er mit dem palästinensischen Parlamentspräsidenten Ahmed Korei (Abu Ala) ausgearbeitet hat, sei nicht zu hundert Prozent garantiert. "Aber ich kann versichern, dass wenn er scheitert, ist die Katastrophe zu hundert Prozent sicher", sagte der Außenminister in dem Zeitungsinterview. Sein Friedensplan würde weder die Unterstützung von Ministerpräsident Ariel Sharon noch die seiner eigenen Arbeiterpartei haben, deutete er an. Doch die öffentliche Meinung beeinflusse die Führung: "Vor einigen Tagen unterstützten in einer Umfrage 49 Prozent meinen Plan und nur 43 Prozent waren dagegen."

Nach den massiven Militärschlägen im Gaza-Streifen und im Westjordanland hat Peres seinen Besuch beim spanischen EU-Ratspräsidenten und Premier Jose Maria Aznar in Madrid vorerst abgesagt. Nach neuesten Informationen wird der israelische Außenminister aber am späten Abend in Madrid eintreffen, um sich Donnerstag mit Aznar und mit Spaniens Außenminister Josep Pique zu treffen. Spanische Diplomaten bestätigten der APA, dass Peres sehr wahrscheinlich neben den aktuellen Ereignissen in der Region auch seinen neuen Friedensplan vorstellen wird.

Mitchell- und Tenet-Plan bieten keine Perspektiven

Peres wies gegenüber "El Mundo" darauf hin, dass der neue Friedensplan notwendig sei, da der Mitchell- und der Tenet-Plan in der ständig wechselnden Situation weder politische noch wirtschaftliche Perspektiven bieten würden. "Wir brauchen neue Annäherungsversuche. Ohne diese wird es für (den palästinensischen Präsidenten Yasser) Arafat schwer, gegen den Terrorismus vorzugehen und eine Feuerpause zu erreichen". Und ohne Feuerpause, gab Peres zu verstehen, seien Verhandlungen unmöglich. Er sehe gute Chancen für seinen Friedensvorschlag, der die sofortige Anerkennung des Palästinenserstaates auf vierzig Prozent der Gebiete des Westjordanlandes und im Gaza-Streifen und anschließende Verhandlungen über die restlichen Gebiete vorsehe.

Die Behauptung, Israel hätte den Feldzug der USA gegen den internationalen Terrorismus dazu genutzt, den Iran nach einer deutlichen Annäherung an die USA und die EU durch gezielte Kampagnen auf die Liste der den Terrorismus unterstützenden Staaten zu bringen, wies Peres zurück. "Der Iran ist nicht der Feind Israels, sondern der Palästinenser, weil der Iran Terrororganisationen wie Hamas finanziell unterstützt. Das wurde allein durch das Waffenschmugglerschiff (Karine-A) deutlich, welches vom Iran geschickt worden war, um Waffen für Attentate gegen Israel nach Palästina zu schmuggeln. Teheran finanzierte schon die Hisbollah im Libanon und versucht jetzt Regionen wie Gaza zu destabilisieren". (APA)

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