"Affäre Semmeling" mit Nachspiel

20. Februar 2002, 14:57
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Deutsche Verlagsanstalt klagt ORF, ZDF und Autor und Produzenten Dieter Wedel - Urheberrechtsverletzung und Plagiatsvorwürfe

Die Fernsehserie "Die Affäre Semmeling", eine Koproduktion von ORF und ZDF und im Jänner des Jahres im ORF zu sehen, hat nun ein juristisches Nachspiel. Im Streit um Plagiatsvorwürfe hat die Deutsche Verlagsanstalt München (DVA) beim Landgericht in Stuttgart Klage gegen den Autor und Produzenten Dieter Wedel sowie gegen das ZDF und den ORF eingereicht. Die DVA wirft Wedel und den beiden Sendern Urheberrechtsverletzung vor, bestätigte ein Sprecher des Gerichts am Mittwoch einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung".

Schadenersatz und Unterlassung

Der Münchner Verlag teilte mit, er klage auf Schadenersatz und Unterlassung für künftige Verwendungen des Filmmaterials. "Wir haben das Beweismaterial jetzt zusammengestellt und es dem Gericht übergeben", sagte DVA-Sprecher Markus Desaga auf Anfrage.

Die DVA und der Stuttgarter Autor Manfred Zach hatten Wedel zuvor vorgeworfen, für seine "Semmelings" zu großen Teilen widerrechtlich von Zachs Roman "Monrepos oder die Kälte der Macht" abgeschrieben zu haben. In der Serie von Wedel seien wortwörtliche Zitate aus "Monrepos" gefallen, hatte Zach behauptet. Ganze Handlungsstränge und Figurenkonstellationen stammten aus seinem Buch. Abmahnungen seien folgenlos geblieben, die vom Verlag geforderten Unterlassungen seien nicht abgegeben worden, hieß es bei der DVA weiter.

Wedels Sechsteiler ist eine Neuauflage des rund 30 Jahre alten Dreiteilers "Die Semmelings", in der die Familie Semmeling Probleme beim Hausbau hatte. "Die Affäre Semmeling" handelt von Reibereien der Semmelings mit dem Finanzamt und führt in den intrigenreichen Abgrund der Hamburger Lokalpolitik.

In seinem Roman "Monrepos" hatte Zach - damals noch Sprecher des baden-württembergischen Ministerpräsident Lothar Späth (CDU) - zum schonungslosen Blick durch die Schlüssellöcher der Stuttgarter Regierungsbüros geladen. Das Buch wurde als Chronologie der Späthschen Regentschaft betrachtet und ließ die Wellen der Begeisterung ebenso hochschlagen wie die des Protestes. Es hat nach DVA-Angaben bisher eine verkaufte Auflage von 30.000 als Hardcover und 70.000 als Taschenbuch erreicht. (APA/dpa)

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